Nicaragua (20/20) Backpacking mit meinem Sohn – Ein Heldensprung im Somoto Canyon und eine krasse Erfahrung im Krankenhaus von Esteli.

Ich habe lange gebraucht, um den letzten Bericht von Nicaragua zu schreiben. So viele widersprüchliche Gefühle wirbeln durcheinander, was unsere letzten Tage im Norden von Nicaragua angeht. Der Somoto Canyon war für Lasse und mich eines der aufregendsten Erlebnisse der ganzen Reise und die Erfahrungen im Hospital von Esteli dagegen so tief und nah dran am Leben und Leiden der Menschen.
Aber mal der Reihe nach: In Esteli sind wir bei einer unglaublich freundlichen und hilfsbereiten Gastfamilie im Santa Maria B&B untergekommen. Hier haben wir ein gemütliches Zimmer, eine herrliche Dachterrasse und das alles in Minutenentfernung vom Marktplatz mit Supermarkt und einigen Restaurants.
- Blick auf unser Santa Maria B&B in Esteli.
- Die Dachterrasse
- und Lasses Bett, gegenüber lag mein Bett.
- Der Eingangsbereich
- und der Blick auf den Sonnenuntergang
- und andere Wolkenformationen.
- Hier ein absolut geniales Gewitter
- und Wetterleuchten.
- Es war wirklich magisch!
Von hier haben wir an einem Tag den wirklich entspannten Badausflug zum Wasserfall von Tisey gemacht und heute stand der Somoto Canyon auf dem Programm. Leider war die Tour nicht ganz so angenehm organisiert wie erhofft, denn wir mussten mit öffentlichen Bussen hin und zurück fahren. Das wäre unter normalen Umständen auch nicht schlimm gewesen, aber Lasse brütete wohl schon etwas aus und war ein wenig schlapp.
Morgens mussten wir zum Busbahnhof von Esteli und von dort mit dem öffentlichen Bus etwa eineinhalb Stunden gen Norden fahren, wohin genau wird einem bei der Tourbuchung erklärt. Dort angekommen wurden wir mit dem Pickup zum Tourveranstalter gebracht. Hier gab es eine kurze Einführung, aber leider keine Möglichkeit zu Frühstücken. Es hieß alle Klamotten in einem Raum abzulegen und nur mit Kamera, Wasserflasche, ausgeliehenen ollen Turnschuhen, Bikini und Schwimmweste loszuwandern. Lasse hatte morgens nicht gefrühstückt und hatte so gleich zu Beginn der Wanderung Hunger, aber jetzt waren wir in wilder Natur und es gab nichts mehr. Ich glaube auch, ihm ging es schon nicht so gut, was er nur nicht deutlich äußern konnte, denn er wollte die Tour schon gerne machen.
Nach etwa einer halben Stunde Wanderung in drückenden Schuhen und in Bikini, erreichten wir den Canyon. Und dann wurde es wirklich genial. Wir konnten uns durch die Strömung im Canyon treiben lassen, rutschten teilweise über abgeschliffene Steine, schwammen durch einen schmalen hohen Canyon und Lasse, der Mutige ist von einer sicher 6 Meter hohen Klippe gesprungen. Es war ein wunderbares Abenteuer und für meinen Sohn ein riesiges Erlebnis. Leider konnte ich von dem Schwimmen, dem tollen Sprung und auch von diesem irren Canyon keine Bilder machen.
- Zu Beginn der Tour hatte ich noch meine Kamera
- aber die wurde dann wasserdicht verpackt.
- Erst müssen wir klettern, dann können wir schwimmen.
- In der Mitte vom Abenteuer eine kleine Pause. Leider war es echt kalt so ohne Sonne.
- Schon das Ende des Canyon
- und auf dem Rückweg.
- Ein weiterer Fluss zum überqueren
- und eine lustige Begegnung.
- Hier hätte ich gerne noch ein paar Tage verbracht.
- Unser Guide geht leider viel zu schnell
- und bald schon ist er verschwunden.
- So eine herrliche Landschaft.
Nur leider war am Ende des Canyon dann alles nur noch mühsam. Es war kalt und regnete, wir alle zitterten und hatten ja keine trockenen Klamotten. Unser fehlendes Frühstück machte sich deutlich bemerkbar. Dann kam endlich das Boot und glücklicherweise auch wieder ein wenig Sonne. Wir hatten riesigen Hunger und immer noch eine kleine Wanderung vor uns. Nun brannte die Sonne herunter und die Gruppe war viel zu schnell für uns und war dann irgendwann auch weg. Wir irrten eine Weile herum, Lasse konnte vor Erschöpfung und mittlerweile auch Kopfschmerzen kaum noch laufen. Endlich kam einer der Führer zurück und zeigte uns den richtigen Weg. Im Restaurant angekommen konnte Lasse schon nichts mehr essen und wollte nur noch liegen. Für den Rückweg mussten wir an der Strasse einen Chickenbus anhalten, in dem es keine Sitzlätze mehr gab. Und auch für die lange Heimfahrt nach Esteli waren die Sitzplätze schon ausverkauft. Glücklicherweise fand Lasse Platz auf den Stufen in der Tür. In Esteli im Hostel angekommen fieberte er schon hoch und erbrach die Tabletten, die ich im gab. In Deutschland hätte ich ihn einfach ins Bett gepackt und Tee gekocht, aber hier überkam mich die Sorge, ob es vielleicht Denguefieber oder Malaria sein konnte, denn uns hatten trotz aller Vorsichtsmaßnahmen am Rio San Juan so einige Mücken gestochen.
Ich dachte, wir fahren kurz ins Krankenhaus, machen die erforderlichen Tests und fahren dann wieder ins Hostel. Was ich nicht aber wusste ist, dass das Ministerium von Nicaragua ein Gesetz festgelegt hat, dass Kinder mit Fieber das Krankenhaus nicht verlassen dürfen. Ich wäre niemals in das Krankenhaus gegangen, wenn ich gewusst hätte, dass Lasse sich einen Magen-Darm-Virus eingefangen hat und dass wir nicht wieder gehen dürfen, ich wollte doch bloß Denguefieber oder Malaria ausschließen.
Erst mal möchte ich allerdings den Ärzten danken, denn wir wurden echt bevorzugt behandelt. In Nicaragua kostet die ärztliche Versorgung nichts, dass heißt auch wir wurden vollkommen umsonst behandelt. Aber trotz dem riesigen Ärzteteam (einige sprachen englisch, einer sogar ein paar Worte deutsch) und den ganzen Untersuchungen (Bluttest, Urintest, Ultraschall, Röntgen) war es einfach nur schlimm. Die ganzen Untersuchungen waren übertrieben und viel zu viel. Ich war mir nicht sicher warum sie dies taten, vielleicht weil sie wirklich nichts übersehen wollten. In Deutschland würde ein Kind mit Fieber und Übelkeit wohl eher weniger geröntgt. Es war Schulmedizin pur, allerdings auf dem Stand von vor etwa 10 Jahren, die Geräte waren alt.
Die erste Nacht verbrachten wir in der Kindernotaufnahme. Lasse kam an den Tropf, was schon irgendwie eine gute Maßnahme war, denn er konnte kaum trinken ohne zu spucken. Um das Fieber zu senken blieb nur die kalte Dusche, mein armer geschwächter Sohn tat mit total leid, aber es half. Schlimm war die Hygiene, überall Kakerlaken und der voll geblutete Boden, wo ein Mann mit dreckigem Wischmopp das Blut und den Müll von einer Zimmerecke in die nächste verteilte. Dann die ganzen Unfallopfer, an denen ich vorbeikam, wenn ich draußen am Kiosk etwas kaufen wollte. Es gab noch nicht mal durch Vorhänge eine Privatsphäre, das Neonlicht brannte die ganze Nacht gnadenlos herunter, dazu das ständige Wecken zum Fiebermessen, an Ruhe war hier nicht zu denken.
Leider blieb das Fieber nach der ersten Nacht immer noch hoch, so dass wir auf die Kinderstation verlegt wurden. Hier lies ich Lasse kurz alleine, um ins Hostel zu fahren, um Handtücher, ein Kissen und unsere dünnen Schlafsäcke zu holen, das alles gab es hier nämlich nicht.
Ein langer, heller Gang mit etwa 10 Zimmern und in jedem etwa 8 Kinder und die jeweiligen Mütter und anderen Verwandten, so sah die Kinderstation im Krankenhaus von Esteli aus. Die Mütter konnten irgendwie mit in den Betten der Kinder schlafen, ein Glück, dass Lasse schon so groß war, andere Mütter mussten sich auf Stühle neben die Kinderbettchen quetschen zum schlafen. Die Stimmung war allerdings echt nett, leider war mein Spanisch zu schlecht, um wirklich mitreden zu können. Lasse tat mir so leid, es kam aus alles Löchern, ihn hatte es wirklich erwischt. Und in diesem Zustand sich das Klo mit acht anderen Kindern und deren Verwandten teilen zu müssen, dazu diese Kakerlaken und der Dreck, das war echt nicht leicht. Es war nicht möglich zur Ruhe zu kommen, das grelle Neonlicht, die Schreie, noch nicht mal einen Tee konnte ich ihm machen, die Kakerlaken, die Bakterien und Viren überall (Ich habe mir hier eine Grippe eingefangen). Dann hatte sich Lasses Tropfzugang entzündet, was nicht bemerkt wurde. Auch ich dachte, er sei undicht, dabei war es ausgelaufenes Wundwasser und seine Hand morgens dann auf doppelte Größe angeschwollen. Ich wusste, ich musste uns hier raus bringen, sonst würde er nicht gesund werden und ich sicher krank. Zwei Nächte hatte ich mittlerweile nicht geschlafen und war ganz schön drüber.
Dann kamen die Testergebnisse und es war klar, er hatte nur einen Magen-Darm-Virus. Jetzt wollte ich nur noch raus hier. Ohne Schlaf und in dieser dreckigen Umgebung konnte er doch nicht gesund werden. Wir hatten nun Glück im Unglück. Lasses Fieber wurde immer in den Phasen gemessen, als es runter war und bei der Morgenvisite schaffte er es kurz zu sitzen ohne zu spucken und so konnten wir „vorspielen“ dass es ihm gut ging. Endlich erhielten wir das nötige Papier um gehen zu können. Mit all seiner Kraft schaffte er es, sich so lange sich auf den Beinen zu halten, dass wir an den Wachleuten mit Schlagstock vorbeikamen, die den Ausgang bewachten. Irgendwie schaffte er es ins Taxi und zurück im Hostel konnten wir endlich aufatmen und er hatte seine Ruhe, die er dringend brauchte.
Hier möchte ich mich auch noch mal für die Hilfe dieser netten Familie bedanken, die das Santa Maria Hostel leiten. Wir konnten die Küche mitbenutzen und hatten nun noch zwei Tage Ruhe, bis wir wieder in Managua sein mussten. Lasse ging es ab dem Moment in seinem eigenem Bett im Hostel zusehends besser und ich machte einen Spaziergang mit Kirchenbesuch. Ich war so dankbar, dass diese Erfahrung gut ausgegangen war. Es ist einfach ein Unterschied, ob ich alleine in der Fremde die Entscheidung alleine treffen muss oder in Berlin mir mit seinem Vater oder Freunden überlegen kann, was zu tun ist. Obwohl die Krankenhauserfahrung so schrecklich war, der Tropf hat ihm sicher geholfen und zu wissen, dass er keine tropische Krankheit hatte war auch gut. Allerdings, dass wir dort festgehalten wurden und nicht schlafen konnten, das war schrecklich. Ich habe mich sehr hilflos gefühlt, denn wenn ich in meiner Kraft stehe kann ich gut heilen, durch Hand auflegen oder innerem Wissen. Aber in dieser Umgebung dort war ich wie abgeschnitten und wie ausgelaugt.
- Die Kirche von Esteli
- hat eine heilige Atmosphäre.
- Ich war so dankbar, dass es Lasse wieder gut ging.
- Das vermutlich beste Restaurant der Stadt.
- Abendstimmung.
- Wandmalerei.
- Mama!
- Am Hauptplatz von Esteli.
- Wandmalerei neben unserem Hostal.
Für die Fahrt nach Managua leisteten wir uns dann ein Auto mit Fahrer, was uns glaube ich bloß 100$ kostete. Für die knapp drei Stunden, mit im Stau stehen und Hotel suchen, war das wirklich nicht viel Geld. Im Art Hotel Managua warteten ein paar aufgeweckte Affen auf uns und ein sprechender Papagei. Irgendwie noch ein schöner Abschluss unserer Reise.
- Unser schönes Zimmer im Art Hotel Managua.
- Ein munterer Geselle.
- Voll neugierig und frech.
- Den Affen ging es glabue ich trotz Käfig ganz gut.
- Dem schwarzen Vogel eher weniger.
- Und ob Toast so das richtige Futter ist?
Für Lasse blieb der Somoto Canyon Ausflug deutlicher in Erinnerung als der Krankenhausaufenthalt. Das freut mich riesig für ihn. Ich dagegen hatte noch länger an dem Erlebnis zu knabbern, das lag sicher auch an den Sorgen, die ich mir die ganze Zeit gemacht hatte. Auf dem Rückflug sind wir über Miami geflogen. Wer schon mal per Transit durch die USA ist, weiß dass man hier gut beobachtet wird. Wenn sie bemerkt hätten, wie krank wir eigentlich waren, hätten sie uns vermutlich nicht weiterfliegen lassen. Im Fragebogen kreuzte ich natürlich an, dass wir gesund sind, was wir beide absolut nicht waren. Lasse hielt die ganze Zeit seine Spucktüte und versuchte die langen Wege durch den Flughafen ohne Schwächeanfall zu laufen und ich hatte mich im Krankenhaus angesteckt und mittlerweile schon Fieber und Schüttelfrost. Aber wir schafften es nach Berlin, yeah! Hier war Lasse fast augenblicklich wieder gesund und ich schlief meine aufkommende Lungenentzündung mit einem 48 Stunden Schlaf auch wieder weg. (In Nicaragua gibt es tolle Pflanzenapotheken, hier hatte ich mich mit Ingwer und Salbeisirup und sonstigen Mitteln eingedeckt).
Jetzt mögt ihr denken, dass diese Erfahrung im Krankenhaus in Esteli dazu geführt hatte, dass ich nun erst mal keine Fernreisen mehr unternehmen möchte. Nein, dieses Erlebnis war nicht ausschlaggebend, die Entscheidung war schon vorher gefallen. Aber dieses Erlebnis bestärkt meine Entscheidung noch. Auf den vergangenen Reisen waren wir nie krank, weil diese absolut stimmig waren. Und auch Nicaragua war insgesamt toll, mein Sohn sagt sogar, es war die beste Reise, von allen, die wir bis jetzt unternommen hatten. Die Tage in Esteli konnte er glücklicherweise schnell vergessen, wie Kinder eben so sind. Und dennoch, mein Gefühl sagt mir, dass ich so nicht weiterreisen möchte. Meine Absicht im Reisen hat sich verändert, das was ich damit erreichen möchte ist nun anders geworden. Das tiefere Erleben in der Natur hat nun absolut Vorrang zu den äußeren Eindrücken. Das hat es zwar schon immer auf meinen Reisen gehabt, aber ich spüre es nun noch deutlicher.
Mit meinem Minicamper möchte ich das Reisen mehr in meinen Alltag integrieren, viel öfter unterwegs sein und vor allem mehr in die Natur und längere Zeit in der Natur bleiben. Bei den Fernreisen ist einfach die Anreise, das Eingewöhnen und die Vorbereitung sehr aufwendig, zeitlich wie finanziell.
Und so geht es weiter: die einzelnen Etappen unserer Nicaraguareise:
Nicaragua (6/20) Backpacking mit meinem Sohn – Blick in den aktiven Vulkan Massaya!
Das darf in meinem Reisegepäck nicht mehr fehlen:
Es ist ganz weich und anschmiegsam. Wenn man die Luft raus lässt ist das Päckchen ganz winzig und verschwindet förmlich in der Handtasche. Ich würde nie wieder eine andere Nackenrolle haben wollen und habe damit auch auf langen Flügen sehr gut geschlafen.
Ich liebe mein Taschenmesser, weil es so leicht und ganz scharf ist. Man kann damit ohne Probleme einen Fisch ausnehmen oder eben ganz leicht Obst schälen. Es fühlt sich einfach gut in der Hand an und ist schon lange mein treuer Begleiter.
Cocoon Anti-Mücken Baumwollschlafsack
Einfach nur ein ganz leichtes Baumwolltuch, aber Insektensicher durch den Wirkstoff aus der Chrysantheme . Wir schlafen meist in ganz einfachen Unterkünften, da weiß man nie was sich so alles in der Matratze tummelt. Uns sollte mal kein Moskitonetz vorhanden sein, oder man Abends auf der Terrasse sitzen, so kann man diesen Schlafsack ganz wunderbar als Mückenschutz verwenden. Unverzichtbar, so finde ich, in Malaria und Denguefiebergebieten.
Hallo .
Das war wohl ein einschneidendes Erlebnis und echtes Abenteuer mit unangehmen Eindrücken , auf die man wohl sehr gut verzichten kann . Liest sich wie ein Abenteuerbericht . War wohl auch ein echtes Abenteuer . Wie alt ist Dein Sohn ? Vielleicht erinnert er sich später noch daran . An die für ihn schönen Sachen hoffentlich .