Fernweh – warum Reisen so süchtig macht. Warum ich unterwegs sein muss und all die Unbequemlichkeiten gern in Kauf nehme.

Jurte Song Kul Tien Shan by Birgit Strauch Shiatsu & Bewusstseinscoaching

Fernweh

Fahrt von Uspanatan nach Lanquin Guatemala by Birgit Strauch Bewusstseinscoaching & ShiatsuEs gibt Momente in meinem Alltag, da zerreißt es mich förmlich vor Fernweh. Es ist die Sehnsucht nach Freiheit, nach landschaftlicher Weite, die gleichzeitig meinen Geist weitet. Es gibt kaum etwas Größeres für mich, als in einem Bus zu sitzen, wie zum Beispiel in einem Chickenbus in Guatemala, meinen Rucksack auf dem Dach zu wissen, einen Fensterplatz ergattert zu haben und eine stundenlange Reise durch mir unbekannte Gebiete vor mir zu haben. Es geht durch Dörfer, an Feldern vorbei, ich sehe Menschen mit ihren Schafen und Pferden. Dann schraubt sich der Bus über Serpentinen in die Berge und Lücken Wald geben immer wieder einen herrlich weiten Ausblick über das Land frei. Mein Herz hüpft, meine Gedanken brabbeln im Hintergrund, mein Geist ist verschmolzen mit meiner Umgebung und ich bin einfach nur glücklich. Es ist wie ein inneres Fliegen.

 

Eine Überland Busfahrt, für mich das Größte!

Immer wieder sehe ich Menschen, auch Ausländer, die mit mir im Bus sitzen und die Fahrt verschlafen, die Vorhänge zugezogen haben und nichts vom Land um sich herum mitbekommen wollen. Ich kann das nicht verstehen und bin oft sehr verwundert. Ich will keine Sekunde verpassen, selbst wenn mir schon fast die Augen durch das gleichmäßige Geschunkel und die Hitze zufallen, versuche ich wach zu bleiben. Schlafen kann ich Nachts, wenn ich nichts mehr sehen kann.

Sri Lanka Zugtür by Birgit Strauch ThetaheilerinNoch ein wenig näher dran an der Landschaft sind die Zugfahrten in Indien oder auf Sri Lanka, wo man in den offenen Wagontüren sitzen kann. So nah am Land, am Wald und an den Menschen ist man in einem Bus nicht. Aber manchmal fühle ich mich auch wie ein Alien, wenn ich davon erzähle. Ich kenne so viele Menschen, die ihren Hintern lieber auf einen komfortablen, gepolsterten Sitz in einem Abteil mit Aircondition betten und eben von der Ferne aus genießen.

 

Sehnsucht – Fernweh – ist wie Liebeskummer!

In Berlin überkommt mich oft eine Sehnsucht, die ich überwältigend empfinde. Fernweh ist ein wenig vergleichbar mit Liebeskummer. Ich will dann zwar nicht in ein geliebtes Land zurück, sondern es ist mehr, dass ich diese Gefühl von Freiheit und gleichzeitiger Verbundenheit mit Allem, wieder und wieder erleben will. Dieses Gefühl, wo man einen Moment lang den Sinn des Lebens erfährt, ohne ihn in Worte fassen zu können. Dieses Schweben in totalem Verständnis für Alles, abseits von Sorgen oder Angst. Das Tolle an diesem Gefühl ist auch, dass es sich potenziert, je öfter ich es habe. Und da ich es nun schon einige Male erlebt habe, scheine ich zumindest einen schwachen Abdruck davon in meinen Zellen gespeichert zu haben und kann es hin und wieder auch in meinem Berliner Alltag hervorholen. Die volle Dosis dieses Gefühls allerdings, ist mir nur möglich auf Reisen zu spüren. Andere Menschen meditieren dafür, machen Bungee Jumping oder ein Ayahuasca Ritual. Für mich hat sich Natur und Weite als Weg herausgestellt, um an diese höchste Glücksgefühl zu kommen. Reisen macht so süchtig! Eigentlich gibt es nur wenige Monate im Jahr, wo ich nicht schon ein Flugticket herumliegen habe und weiß, dass es bald wieder los geht. Dann kann ich die Zeit kaum noch abwarten. Ich fliege etwa zwei mal im Jahr für vier Wochen irgendwohin. Zwischendurch noch ein paar Kurztrips. Das lässt sich gut mit meiner Arbeit, ich bin freiberuflich in meiner eigenen Praxis als Shiatsutherapeutin und ThetaHeilerin tätig, und meinen Kindern vereinbaren. Im Winter fliege ich meist alleine weg und im Sommer mit meinem Sohn. Meine Tochter mag das Reisen, wie ich es praktiziere, nicht. Sie bleibt lieber beim Papa.

 

Reisen auf eigen Faust, bloß keine Gruppenreisen!

Ich kann gar nicht sein, ohne nicht eine Reise im Kopf, in Planung zu haben. Das ist meine Motor, mein Antrieb. Da ich viel reisen möchte, Kinder habe und leider keinen Goldesel im Keller, bin ich immer ganz einfach unterwegs. Und da wo es mich hin verschlägt, zu den einfachen Leuten auf dem Land, da gibt es meist auch keine luxuriösen Unterkünfte. Brauche ich aber auch nicht, irgendwo finde ich immer einen Schlafplatz, nur Schlafsäle mag ich nicht mehr, zu viele Menschen. Ich liebe meine Freiheit, meinen kleinen Rucksack mit wenig Inhalt und einfach auf einen Bus aufspringen, wie es die Einheimischen auch machen. Und so lerne ich natürlich auch die Menschen kennen, werde eingeladen, immer wieder angesprochen oder auch im Auto mitgenommen. So kann ich offen sein für all die kleinen Geschenke, die das Leben für mich beim unterwegs sein parat hält.

Ich mag keine Touristengruppen, ich bin absolut kein Herdentierchen und das schlimmste sind die kurzen Aufenthalte. Oder die Anweisung: „Schnell, schnell, machen sie ihre Photos und dann zurück zum Bus!“ So erging es mir in Peru. Da war ich auf der absolut paradiesischen Insel Amantani im Titikakasee, erst seit wenigen Jahren für den Tourismus offen, bei einer unglaublich süßen Gastfamilie und musste um 9.00 Uhr früh schon wieder im Boot sitzen, weil das auf dem Plan steht. Oh Mann, hab ich vor mich hin gegrummelt. Ich wäre so unglaublich gerne länger geblieben.

Das ist das Problem, wenn Reisen auf vier Wochen begrenzt sind. Um möglichst viel vom Land zu sehen, schließe ich mich unterwegs immer mal wieder einer geführten Tour an. Manchmal ist es auch unglaublich spannend, da Reiseleiter viele Informationen bereit halten, die man sonst nicht bekäme. Aber dies Eile und dieser Zeitplan, den es meist einzuhalten gilt, den finde ich sehr schade.

Ich habe einen Entschluss gefasst! Wenn ich fünfzig werde und meine Kids mich im Alltag nicht mehr brauchen, dann werde ich den größten Teil des Jahres unterwegs sein. Mit dieser Aussicht kann ich dann auch solche Momente der Enttäuschung, dass ich nicht genug gesehen habe, nicht genug Zeit hatte, hinnehmen. Manchmal hilft es mir auch, einfach dankbar zu sein, für das was ich habe. Wie viele von Euch werden einen Job haben und nur sechs Wochen im Jahr Urlaub, oder Kinder und keinen Vater, der sie Euch immer wieder abnimmt. Obwohl mir das Unterwegs sein zur Zeit zu wenig ist, bin ich doch dankbar, denn es ist viel mehr, als die meisten Menschen sich ermöglichen.

 

 

Leider sind Touren auf eigene Faust oft ein wenig zeitintensiver und bedürfen ein wenig Organisation und herumfragen, nicht immer sprechen die Menschen eine der Sprachen, dich ich spreche. Meine Erfahrung ist allerdings, dass es immer irgendwie klappt. Und immer war das Erfolgserlebnis und die Erfahrung eine bleibende Erinnerung. Manchmal war es heiß oder dauerte lange, bis man ein Auto mit Fahrer bekam. Manchmal musste man fünf Leute ansprechen, die alle nichts wussten, aber dann taten sich plötzlich immer Türen auf. So wie mit meinem Sohn auf Borneo, wo wir auf eigen Faust ein Langhaus der Kopfjäger besucht haben. Nach einer langen Bootsfahrt in einem fliegenden Sarg kamen wir in Kapit, einer kleinen Stadt an. Ich beschloss auf dem Markt herumzufragen, und hatte nach einiger Zeit Glück. Ein Mann kannte jemanden, der jemanden kannte und der wusste dann einen Fahrer… Gebongt! Als wir am Langhaus der Iban ankamen, war nichts für Touristen vorbereitet, ob wir stören würden?

 

Allerdings die Momente auf Reisen, die Fernweh oder diese große Sehnsucht in mir auslösen, haben meist nicht viel mit Kultur, Sehenswürdigkeiten, Städten oder so zu tun. Es ist etwas anderes, was bei mir die Sehnsucht auslöst, ein ganz besonderes Gefühl, dass Weite in mir auslöst. Weite und ein, ich nenne das immer: ein „am Ende der WeltGefühl„. Das ist für mich das größte Erlebnis. Ich habe das Manchmal in den Bergen, in der Steppe, aber auch am Meer, bei einem Sonnenuntergang. Meist ohne viele anderen Menschen um mich herum. Es ist ein Gefühl, dass ich auch beschreiben kann als: Hier fühle ich mich Gott am nächsten, die Trennung von der Umgebung ist aufgehoben. Es ist ein total angstfreies und erhabenes Gefühl. Ein wenig so, wie die Euphorie wenn man ein Bergspitze erreicht., nur meine Situationen waren immer mehr „fliegender“ und nicht ganz so mühevoll und anstrengend, wie eine Bergbesteigung. Ich bin zwar sportlich, aber auch ein kleines Faultierchen.

 

Hier ein Beispiel für einen der glücklichsten und verbundensten Momente, auf die ich mich beim unterwegs sein am meisten freue und die auch daheim die größte Sehnsucht auslösen.

 

Es war in Kirgistan mit meinen Kinder am Altyn Arashan. Vier Stunden sind wir mit einem Jeep über holprige Feldwege in die Berge gerumpelt. Hier haben wir in einer super freundlichen Familienpension ein kleines Zimmer gehabt. Es gab kein Dorf, nur diese Pension und ein, zwei Häuschen in der Gegend. Wir haben uns Pferde ausgeliehen und sind in Begleitung eines Kirgisen und seines Sohnes, durch den eiskalten Gebirgsbach in das Tal geritten. Mein Herz geht jetzt noch auf, wenn ich mich an diesen wundervollen Moment erinnere. Diese Wildheit der Natur, die Abgeschiedenheit, Bären leben im Wald, dieser rauschende Fluss… Wow!

 

Geschwindigkeit kann auch solch ein Freiheitsgefühl bei mir auslösen. Wohingegen ich beim Autofahren oft ein wenig ängstlich bin, wenn jemand anderes zu schnell fährt, bei Bootstouren liebe ich Geschwindigkeit. Da habe ich ganz wunderbare Erlebnisse aus dem Donaudelta und natürlich auch aus Thailand. Hier gab es eine unvergesslich rasante Bootsfahrt in den Sonnenaufgang. Was der Himmel manchmal mit einem macht, wie sich das eigene Herz öffnet, nur weil die Sonne ein wenig mystisch durch die Wolken scheint. Ich bekomme dann oft ein Gefühl, alles erreichen zu können und der glücklichste Mensch zu sein. Ich liebe es!

 

Aber Fernweh habe ich nicht nur, ausgelöst durch das Vermissen von Freiheit und Weite in der Großstadt Berlin. Ich liebe es auch, wenn die nächsten Tage nicht verplant sind. Wenn ich nicht weiß, was morgen passiert, wenn ich mich treiben lassen kann. Mit Kindern und ihren Bedürfnissen, meiner Praxis und all meinen Klienten, komme ich in Berlin eher seltener in den Genuss frei, also unverplant zu sein. Aber ich möchte den Alltag nicht missen, ich liebe meine Arbeit mit meinen Klienten und auch das Mutter sein. Nur manchmal, da dauert es einfach ein wenig zu lange, bis ich wieder unterwegs sein kann.

 

 

Wie erlebst Du Fernweh? Kennst Du diese Sehnsucht? Gibst Du ihr nach fährst / fliegst einfach los oder unterdrückst Du den Wunsch nach Freiheit? Ich freue mich, wenn Du Deine Gedanken in den Kommentaren (unten auf der Seite) teilst! – Abonniere meinen Newsletter, um keinen neuen Bericht zu verpassen!

 

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