Kirgistan, Backpacking mit Kindern (5/11) – Altyn Arashan/алтын арашан: Ein magischer Kraftort zum wandern, reiten und neue Freunde finden.

Altyn Arashan Kirgistan by Birgit Strauch Shiatsu & ThetaHealing

Dieses Tal war magisch. Ich bin ja selten in den Bergen und nun war ich hier mit meinen Kindern in diesem magischen Tal mit dem wilden Gebirgsfluss, nach etwa vier stündiger Jeep Fahrt über rumpelige Felswege, durch einen Fluss und etliche Schlammpfützen hindurch. Victor unser Fahrer war 1982 in Dresden stationiert und sprach ein paar wenige Worte Deutsch und ich konnte auf der langen Fahrt mein Russisch ein wenig erproben.

Mich hat dieses Tal ungemein berührt. Vielleicht liegt es daran, dass es seit der Geburt der Kinder die erste Abenteuerreise ist, und ich dieses Freiheitsgefühl im Berliner Alltag, mit all seinen Pflichten, vermisst habe, aber trotzdem denke ich, dass hier eine besondere Magie herrscht. Oder denken ist in diesem Zusammenhang das falsche Wort, ich fühle praktisch, wie sich mein Solarplexus und meine Herzgegend öffnet. Am Nachmittag unternehme ich dann mit den Kindern eine erste kleine Wanderung, einfach nur traumhaft!

Wir haben ein kleines, gemütliches Drei-Bett-Zimmer in dem Guesthouse bei den heißen Quellen. Ein kleiner Familienbetrieb mit gutem Essen und auch anderen netten Gästen, die von ihren Wanderungen erzählen. Natürlich sind das andere Dimensionen, als ich das mit den beiden Kindern unternehmen kann, aber auch wir wollen am nächsten Tag eine kleine Wanderung machen. Aber jetzt genießen wir erst einmal diesen herrlichen Ort mit Hund und Katze, die Kinder schnitzen und eine Tischtennisplatte gibt es auch.

Am nächsten Tag versuchen wir unsere Wanderung in Angriff zu nehmen. Durch den Regen ist der Pfad ein wenig aufgeweicht und wir haben schnell nasse Füße in unseren Turnschuhen. Outdoorkleidung war für mich noch ein Fremdwort gewesen und bei unserem Reisebudget auch gar nicht drin gewesen. Dann bleibt Hannah auch noch kurz im Schlamm stecken und so  war ihre Motivation zu Wandern erst mal auf den Nullpunkt gesunken. Sie saß schmollend auf einem Felsen und es dauerte eine  ganze Weile, bevor wir weiter konnten. Immerhin, wir erreichten einen kleinen Ausblick auf ein Tal mit Felsen und Gebirgsfluss. Die Kinder entdeckten ein Bächlein mit Moos, wo sie herrlich spielen konnten. Wenigstens waren wir ein wenig gewandert. Ich war mir auch nicht ganz sicher, was wir tun würden, wenn wir einem Bären begegnen würden, also natürlich langsam den Rückzug antreten. Laut genug, dass wir die Bären verscheuchten, waren wir sicherlich auch. Abends beim Essen erzählten uns ein paar Wanderer, dass sie auf dem Rückweg ein verwundetes Pferd gesehen hatten, dass von einem Bären angefallen wurde. Auch war die Nacht sehr unruhig gewesen, der Wachhund hatte die ganze Nacht gebellt und unser Gastpapa war mehrmals draußen gewesen, um nach dem Rechten zu sehen, so wie auch ich einige Male, denn ich hatte schon Respekt vor einem Bärenbesuch oder so. Gesehen hatte ich allerdings nichts. Aber so als Stadtkind, war mir die Vorstellung, dass hier Bären sind, die vielleicht auch gefährlich werden könnten, nicht ganz geheuer. Ich war ganz froh, dass wir hier die Tür verschließen konnten, ganz im Gegensatz zu unserer Jurte in der Grigorjevskoe Schlucht, die nur ein Tuch über der Türöffnung hatte.

Jetzt, Jahre später muss ich schmunzeln, wenn ich an diese Sorgen oder diese Ängste denke. Ich habe sie einfach nicht mehr. An meiner Bärenphobie, die nicht aus diesem Leben kam, habe ich gearbeitet und durch die vielen, vielen Reisen und dem häufigen draußen schlafen, bin ich so verbunden mit der Natur, dass ich diese Angst nicht mehr habe.

Nachdem das mit dem Wandern nicht so recht geklappt hatte, beschlossen wir uns ein paar Pferde zu leihen und einen Ausritt zu machen. Es war herrlich, denn selten habe ich mich so frei gefühlt, wie auf so einem Pferderücken und in einem Gebiet ohne Straßen. Ich war einfach nur glücklich und ganz besonders natürlich darüber, diesen Moment mit meinen Kindern teilen zu können. Ich spürte die Kraft und Wildheit der Natur in uns und um uns herum. Der eiskalte Bach mit seinen rutschigen Steinen, den wir durchqueren mussten und dann das Tal vor uns. Mein Sohn saß bei dem kirgisischen Jungen mit auf dem Pferd und meine Tochter bei seinem Vater. Unsere Pferde waren aber auch cool, ich kann eigentlich gar nicht reiten, aber es klappte dennoch irgendwie mein Pferd zu lenken.

Unser letzter Abend hier war ausgelassen und unvergesslich. Unsere Gastfamilie hatte Besuch von Freunden, die auch ein paar Kinder dabei hatten. Vor allem Anton war den ganzen Abend da und hat viele Fragen gestellt, auf russisch natürlich. Mir ist aufgefallen, dass Kinder oft viel geduldiger sind und auch viel besser zu verstehen, wenn man dabei ist, eine Sprache zu lernen. So konnte ich mit Anton ein wenig Russisch üben.

Heute ist Samstag und wir warten auf Victor, der uns wieder zurück zum Turkestan Yurt Camp in Karakol bringt. Denn am Sonntag findet dort der größte Viehmarkt Zentralasiens statt und dieses Ereignis wollen wir uns nicht entgehen lassen. Aber wir sind ein wenig traurig, denn gerade jetzt, wo die Kinder hier Freunde gefunden haben, wäre es schön, einfach noch ein paar Tage bleiben zu können. Aber Kirgistan hat noch so viel mehr zu bieten, und wir wollen sozusagen einmal den Issuk Kul See umrunden, und auch noch einen Abstecher zum Song Kul machen.

Ein paar letzte Momente aus dem Altyn Arashan Tal, während wir auf Victor warten, der den ganzen Weg aus Karakol erst einmal her kommen muss.

Hier meine Buchempfehlungen zu Kirgistan:

Kindheit in Kirgisien von Tschingis Aitmatow: Aitmatow hat die Gabe, Bilder im Kopf entstehen zu lassen mit seinen Erzählungen. Eine wunderbare Einstimmung auf die Reise.
Ein Tag länger als ein Leben von Tschingis Aitmatow: hochgradig spannend, regt zum Nachdenken an.
Kirgistan: Zu den Gipfeln von Tien-Schan und Pamir (Trescher-Reihe Reisen) :Wenn Du wirklich Informationen über das Land und die Leute haben möchtest, dann ist dieser Reiseführer ein Muss!
Reise Know-How Landkarte Zentralasien (1:1.700.000) : Usbekistan, Kirgisistan, Turkmenistan und Tadschikistan: Die Reise Know-How Landkarten habe ich fast auf jeder Reise dabei. Besonders in Gegenden, wo es nur wenig Internet gibt.

Warst Du schon mal in Kirgistan? Wie hat es Dir gefallen? Was hast Du erlebt? Oder hast Du Fragen. Bitte schreib es in die Kommentare, ich freue mich sehr. – Verpasse keinen spannenden neuen Bericht und abonniere meinen Newsletter!

Und so ging unser Abenteuer Kirgistan weiter:

Kirgistan mit Kindern (1/11) – Bishkek: Wasserschlacht im Nomad´s Home & der Vergnügungspark von Bishkek.

Kirgistan mit Kindern (2/11) – Issuk Kul – Tamchy: Blumengarten, Pferde, Esel & der See in Gewitterstimmung.

Kirgistan mit Kindern (3/11) – Grigorjevskoe Schlucht: Jurten, Adler, Pferde & ein Schaf wird geschlachtet.

Kirgistan mit Kindern (4/11) – Karakol: Coole Kletterwand, der Zoo von Karakol, Holy Trinity Cathedral & bummeln über den Markt.

Kirgistan mit Kindern (6/11) – Karakol: Der größte Viehmarkt Zentralasiens.

Kirgistan mit Kindern (7/11) – Von Karakol nach Kaji Say / кажы сай: Ein gebrochenes Herz, sieben Bullen und die Barskaun / барскаун Schlucht.

Kirgistan mit Kindern (8/11) Kaji Say / кажы сай: Baden im einsamen Issuk Kul.

Kirgistan mit Kindern (9/11) – Kочкор – Kochkor: Eine tolle Gastfamilie, ein heftiges Gewitter & das beste Essen von Kirgistan.

Kirgistan mit Kindern (10/11) – Song Kul: Unendliche Weite, Yaks, Hagel, eine Nacht in der Jurte & ein Ritt am See.

Kirgistan mit Kindern (11/11) zurück in Bishkek: Rutschen, Zuckerwatte & Bier mit Strohhalm.


  • Hallo Birgit,

    vielen Dank für Euren schönen Reisebericht !!
    Wir würden gerne diesen Sommer mit unseren Kindern nach Kirgistan.
    Allerdings werden sie zu dem Zeitpunkt erst 6 und 10 Jahre alt sein. Beide sind allerdings 2 coole und sportliche Jungens, die die wilde Natur lieben. Denken Sie, man kann dort mit so jungen Kindern hinreisen ?
    Würden Sie es empfehlen, ein Auto mit Fahrer zu mieten oder kann man es sich zutrauen, auch alleine loszufahren ? Vielen Dank und herzliche Grüsse, Friederike Jung

    • Liebe Friederike, na klar kann man mit jungen Kids nach Kirgistan reisen. Meine Kids waren glaube ich 5 und 6 Jahre alt. Die Menschen, die wir trafen, waren alle sehr hilfsbereit und meine Kinder haben überall Kinder zum spielen oder reiten… getroffen. Aber was ich als große Herausforderung empfand war die Hitze, die Höhe und dann auch wieder die Kälte. Man kommt dort in Extreme, durch diese Höhenunterschiede, das kennen wir hier gar nicht. Meine Kids, haben darauf mit Schlappheit oder auch mein Sohn, der Kleinere, hatte zwei Nächte, wo er auf die Höhe mit Übergeben reagiert hat (Kids machen das ja meist einfach und leiden nicht weiter!). Wegen der Hitz, hätte ich mir nicht vorstellen können, am staubigen Straßenrand lange auf einen Bus zu warten, das ist für Erwachsene schon anstrengend, aber für die Kleenen… Und das mit den Fahrern und Autos, einfach herumfragen (ich kann auch nur ein bisschen russisch, hat aber immer gereicht!), es kennt immer jemand Jemanden, der Lust hat zu fahren und das war immer absolut bezahlbar. Wir sind damals einfach los gefahren, ohne besondere Outdoor Klamotten oder einen Plan im Vorfeld und es war eine der besten Reisen, vor Allem wegen der Menschen, der Pferde, des einfach drauf los reiten… Es war so wild und frei, aufregend und so schön! Ach ja, das Essen war auch etwas schwierig, meist war kein Restaurant in der Nähe, wenn der Hunger kam, bei den Gastfamilien musste manchmal erst das Schaf geschlachtete werden, bevor es was zu essen gab.. aber ich würde die Reise jederzeit wieder machen, trotz all der Schwierigkeiten..
      Ganz viel Freude Euch und schreib doch mal, wie es war!
      Alles Liebe, Birgit

  • Schreibe einen Kommentar

    Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.