Wildes Guatemala (7/15) – Barillas: Über das Busfahren & eine quirlige Kleinstadt in den Bergen Guatemalas.

Menschen Bus Bahnhof Barillas Guatemala by Birgit Strauch Shiatsu & Bewusstseinscoaching

Es wird ursprünglich. Anderen weißen Touristen bin ich hier nicht mehr begegnet. Ich liebe das Busfahren, vor allem mit Fensterplatz, natürlich bei offenem Fenster und den Wind um die Nase. Langsam wurde auch die Luft frischer, denn wir fuhren in die Berge. Barillas liegt auf 1450 Meter Höhe.

In Playa Grande hatte ich mal wieder das Problem, dass ich in einem einfachen Comedor nach Tacos oder Quesadillas fragte, aber sie hatten keine. Dann erzählte mir die Frau, was sie alles hatte, aber ich verstand sie nicht, mh. Ich würde so gerne mehr spanisch sprechen. Aber irgendwie gelang es mir, ihr zu sagen, dass ich dann gerne ein typisches Frühstück hätte, was die Menschen in Guatemala auch essen. Ich bekam Rührei, Bohnenmus (diese schwarze Pampe und ich, wir sind auf dieser Reise keine Freunde geworden, brrr) und die typischen Tortillas, meist aus Weizenmehl, manchmal auch aus Maismehl. Ich war ein wenig enttäuscht, dass das Essen hier im allgemeinen so wenig Gewürze enthielt. Zwar konnte man immer mit einer Chilisauce nachwürzen, aber die war auch bloß scharf. Meinem zarten Hüftgold war das Essen hier auf jeden Fall zuträglich, denn ich aß nicht so viel.

Zu Playa Grande hatte ich gleich ein gutes Gefühl. Der Minibus hielt am anderen Ende der Stadt und ich musste ein Tuk Tuk zum großen Busbahnhof nehmen. Der Fahrer war total nett, suchte mit mir am Busbahnhof sogar den richtigen Bus, und der Preis stimmte auch. Ich hatte auch gar kein ungutes Gefühl, meinen Rucksack in den Bus zu packen und in aller Ruhe noch etwas Essen zu gehen. Es gibt eine Menge Orte, wo ich das so nicht gemacht hätte. Die Menschen hier waren alle so entspannt, so unaufgeregt und einfach nur freundlich.

In den Bussen, auch in den Minibussen fährt immer ein extra Mann mit, der das Geld einsammelt, die Tür aufhält, Plätze zuweist und das Gepäck verstaut. Für kurze Strecken hängen auch schon mal ein paar Männer an der offenen Minibustür, wenn es drinnen keinen Platz mehr gibt. Mir ist aufgefallen, dass besonders Frauen mit Kindern oder auch älteren Menschen viel Respekt und Hilfe entgegengebracht wird. Auch mir wurde oft das Gepäck beim Aussteigen angegeben, obwohl ich es auch alleine geschafft hätte.

Die Busse in Guatemala halten überall. Die Einheimischen nennen einfach das Haus oder die Kreuzung, wo sie raus wollen oder rufen „bajar“, was aussteigen heißt. Man kann sich auch einfach an die Strasse stellen und einen Bus anhalten. Ich hatte einfach riesigen Spaß beim Bus fahren hier. Viele Fahrgäste waren mir gegenüber ein wenig schüchtern und setzten sich nur neben mich, wenn gar kein anderer Platz mehr frei war, aber immer wieder passierte es auch, dass jemand ein wenig englisch sprach und sich gerade darum neben mich setzte und mich mit netten Fragen löcherte. So erfuhr auch ich einiges über die Menschen hier. Mittlerweile war ich nämlich in einer Gegend, wo die Menschen unter sich oft kein spanisch mehr sprachen, sondern Kanjobal, eine Maya Sprache.

Als wir in Barillas einfuhren hielt ich gleich nach einer Pension ausschau und tatsächlich, der Bus hielt nur eine Straßenkreuzung weit weg von einem Hotelschild.

Hierbei dachte ich nur: Willkommen im wirklichen Guatemala. Einen jungen Mann, der mit mir im Bus saß, traf ich hier an der vergitterten Rezeption des Hotels Quetzal auch wieder. Für 35Q (weniger als 5€) gab es ein Einzelzimmer, dass ich nur nahm, da ich meinen eigenen Schlafsack hatte. Das Außenklo lag einmal quer über den Innenhof auf der anderen Seite. Immerhin gab es heißes Wasser zum duschen. Die Türen der Toiletten und auch die meines Zimmers waren aus Metall, ein klein wenig fühlte ich mich wie in einer Zelle in einem Gefängnis. Auch die Eingangstür bestand aus einem Gitter, das Nachts verschlossen wurde. Neben mir wohnten zwei junge Männer und im ersten Stock eine Familie, mit Frauen und Kindern. Ich kann nicht sagen, dass ich mich hier pudelwohl fühlte, aber ich wollte am nächsten Morgen gleich weiter und ich mag es sehr, dort zu übernachten, wo die einfachen Einheimischen auch übernachten. Barillas war nur ein Zwischenstopp auf der Reise nach San Rafael, einem kleinen Bergdorf.

In Barillas hatte ich viele spannende Begegnungen. Erst mal fanden mich die Schuhputzerjungen auf dem Hauptplatz interessant und ich fand es fast schade, dass ich nur Flip Flops an hatte und nicht in den Genuss ihrer harten Arbeit kam. Dann setzte sich ein Mädchen (21 Jahre) neben mich auf die Bank und fing ein Gespräch mit mir auf englisch an. Kurz darauf kam ihre Mutter, die uns begeistert zu hörte. Leider mussten beide wieder zur Arbeit, sie verkauften Hähnchen in einer kleinen Fastfoodbude. Etwas unangenehmer war dann ein Betrunkener, der auch recht gut englisch sprach und meinte, er müsse trinken, weil sein Kind in Amerika wäre und er es nicht sehen könnte. Er war leider auch recht hartnäckig im Bitten um Unterstützung für seinen nächsten Schnaps, aber hartnäckig konnte ich auch sein. Irgendwie schaffte ich es ihn abzuhängen. Leider traute ich mich nicht, in Barillas Photos zu machen, weil ich wusste, wie ungerne dir Leute hier fotografiert werden. Dann wurde es auch recht schnell dunkel und ich zog mich lieber in meine kleine Zelle zurück. Das habe ich auf der ganzen Reise so gehalten, dass ich nur in den Touristenorten oder richtig auf dem Land, nach Anbruch der Dunkelheit noch draußen war.

Statt zu Lesen, schaute ich mir an diesem Abend einen Film an und schlief dann bis etwa drei Uhr früh. Dann wurde ich wach durch das Rangieren von Bussen und lautes Einweisen und Ortsnamen-Brüllen der Schaffner. In Guatemala war es häufig so, dass einfach Straßenecken als eine Art Busbahnhof und Haltestelle dienten. Leider in Barillas direkt vor dem Hotel und durch die freie Gittertür drang der Lärm hinein, als würden die Busse neben meinem Bett abfahren. Und es waren viele Busse, grrrr. So stand ich früh auf, kochte mir einen Kaffee, las noch ein wenig und machte mich dann irgendwie beschwingt, mit meinem leichten Gepäck auf den Weg, um heute noch weiter in die Berge vorzudringen. Ich liebe diese Spannung, wenn man nicht weiß, was der Tag bringen wird, wie weit man kommen wird, was man sehen und erleben wird.

Schnell fand ich ein Tuk Tuk, dass mich zu einem etwas größeren Busbahnhof außerhalb von Barillas brachte, hier fuhren ein paar Busse in weiter entfernt gelegene Städte. Ich wollte nach San Rafael la Independencia und war recht überrascht, dass ich gar nicht mehr umsteigen musste. Allerdings fuhr der Bus nicht gleich los, sondern erst in zwei Stunden. Also genug Zeit, um einen Kaffee zu trinken und mich durch ein paar spannend aussehende Teigwaren durch zu probieren. Leider sahen sie spannender aus, als sie schmeckten. Ich entdeckte ein kleines Internetkaffee und der junge Betreiber richtete mir die WLan-Verbindung auf meinem Handy ein. Ich setzte mich auf einen kleinen Holzhocker vor seinen Laden und schrieb etwa einen halbe Stunde in die Heimat. Als ich ihn dann fragte, was ich ihm schuldig bin, winkte er nur ab. Ich hatte ja nicht seine Computer benutzt. Auch hier wieder war ich positiv überrascht, es gab so viele Orte, die ich schon bereist hatte, wo ein Internetkaffeebetreiber sich diese Chance, einen überhöhten Preis zu verlangen und ein paar Münzen extra zu verdienen, nicht hätte entgehen lassen.

Das Warten auf den Bus führte dazu, dass ich versteckt doch noch ein paar Bilder machen konnte.

Bis San Rafael dauerte die Busfahrt etwa drei Stunden.

Meine Buchempfehlungen für Guatemala:

Reise Know-How Guatemala: Reiseführer für individuelles Entdecken

Lonely Planet Guatemala (Country Regional Guides)

Reise Know-How Landkarte Guatemala, Belize (1:500.000): world mapping project

Im Land des ewigen Frühlings: Guatemala-Roman

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Meine Mexiko/Guatemala/Belize-Reise begann in Mexiko:

Mexiko 2017 (1/6) – Cancun – Isla Mujeres: Meeresschildkröten, Fregattvögel & eine Massage mit Meeresbriese.

Mexiko 2017 (2/6) – Bacalar, das Dorf an der Lagune Bacalar: Ruhe, Staunen, Hundefreunde – ein kleines Paradies.

Mexiko 2017 (3/6) – Bacalar: Eine Bootsfahrt über die wunderschöne klare Lagune der sieben Farben.

Dann über Belize:

Mexiko – Belize (1/3) – Guatemala 2017: Von Bacalar (Mexiko) über Belize nach Flores (Guatemala) in 11 Stunden.

nach Guatemala:

Guatemala 2017 (1/15) Flores im Lago Peten Itza: Cool Beans & San Telmo, bunte Kaffees zum Relaxen.

Guatemala 2017 (2/15) – Lago Peten Itza, El Remate & Biotop Cerro Cahui: Klares, kaltes Wasser, ein Fuchs (El Zorro gris) & ein kleiner Tukan ( Tucancillo Collarejo).

Guatemala 2017 (3/15) – Tikal: Nasenbären (Coatis), eine Vogelspinne, Brüllaffen & das Erwachen des Dschungels inmitten eindrucksvoller Mayaruinen.

Guatemala 2017 (4/15) – Chisec und die Höhlen von Bombil Pek: Endlich abseits des Touristenpfades, das Abenteuer beginnt! Tolle Hügellandschaft, wunderbare Menschen & angekommen im echten Guatemala.

Guatemala 2017 (5/15) – Lagunas de Sepalau bei Chisec: ein Waschsalon mit Aussicht, Leben auf dem Dorf in Guatemala.

Guatemala 2017 (6/15) – Laguna Lachua: Mehr Paradies geht nicht! Hier bracht man zum Fische beobachten keine Taucherbrille, so klar ist das Wasser.

Guatemala 2017 (8/15) – San Rafael la Independencia:  Kühe, Pferde, Esel, Schafe und ein ganz besonderes Geschenk für mich!

Guatemala 2017 (9/15) – Über San Miguel Acatan nach Tres Caminos:  Durch die wilden Berge der Cuchamatanes.

Guatemala 2017 (10/15) – Todos Santos Cuchamatan: Hier kann man relaxen, wandern und Männer in weiß-rot-gestreiften Hosen bestaunen.

Guatemala 2017 (11/15) – Sacapulas: Die Brücke am Fluss & ein romantisches Hotel in Guatemala-Original-Style.

Guatemala 2017 (12/15) – Lanquin / Semuc Champey: Traumhafte Natur-Swimming Pools im Dschungel.

Guatemala 2017 (13/15) – Biotop Chocon Machacas – Rio Dulce: ein Fluss voller Magie!  Meine Felsendusche, jede Menge Pelikane & ein Tag in der Hängematte

Guatemala 2017 (14/15) – Rio Dulce nach Livingston: Dschungel, Flussfahrt und Pelikane, Pelikane, Pelikane und Fregattvögel.

Guatemala 2017 (15/15) Livingston: Eine lebhafte Stadt an der Flussmündung zum karibischen Meer.

Von Guatemala über Belize:

Belize 2017 (2/3): Blue Creek – Besuch bei Judy und John, einer Mennoniten-Familie. „Hard work, strong ethics & deep roots“
Belize 2017 (3/3) – Corozal: Ein traumhaftes Meer, aber niemand ist drin!?!

Zurück nach Mexiko:

Mexiko 2017 (4/6) – Tulum: Traumfänger, Mayaruinen & eine typische Traveller Stadt. Herrlich zum Souvenir-Shoppen!

Mexiko 2017 (5/6) Coba: Ruinen, Cenotes (Höhlen mit Pools) & das Restaurant el Cocodrilo am See.

Mexiko 2017 (6/6): Playa del Carmen: 1h vom Flughafen Cancun entfernt – das mexikanische Mallorca.


März 26th, 2017

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