Wie man jeden Tag ein Geschenk bekommt! – Ein Selbstversuch auf meiner Mexiko/Guatemala-Reise.

Fische Sonnenuntergang Laguna Lachua Guatemala by Birgit Strauch Shiatsu & Bewusstseinscoaching

Jede Reise im Außen ist auch eine Reise nach Innen.

Ich habe mit einem kleinen Experiment auf dieser Reise begonnen.

Irgendwie aus Spaß, irgendwie auch, um mir zu beweisen, dass das Wünschen beim Universum funktioniert. Oder besser ausgedrückt, dass Jesus recht hatte mit seinem: „Klopfet an und es wird Euch aufgetan“. Und ja, Jesus, der begegnet mir hier ständig. Guatemala ist sehr christlich. Ob das Christ sein den Menschen mehr hilft, als in der alten Maya Kultur zu leben? Immerhin bringen die Kirchen die Menschen zusammen. Allerdings hier in den Highlands Guatemalas gab es einige Dörfer, z.B. San Miguel, wo ich etwa drei Stunden rund um dem Marktplatz mit Kirche verbrachte, um auf meinen Bus nach Tres Caminos zu warten, wo die Leute mit einem schwarzen Kreuz auf der Stirn herumliefen. Das wirkte ein wenig bedrohlich auf mich. Fingerbreit, mit schwarzer Farbe, vielleicht Asche, die leicht verwischte und den Leuten nicht unbedingt ein freundlicheres oder hübscheres Aussehen gab.

In der großen Stadt Soloma, durch die sich mein in orangenen Farbtönen geschmückter Chickenbus, mit lautem Gehupe und rechts und links Schulkindern ausweichend, bergab und dann bergauf den Weg bahnte, hielten wir im stockenden Verkehr vor einer ockerfarbenen Kirche. Hier fand gerade ein Gottesdienst statt, bei dem die Zuhörer sogar schon auf der Straße standen. Auch sie waren alle mit diesem schwarzen Kreuz geschmückt. Ein wenig gruselig fand ich das.

Einige wenige Häuser sah ich, an deren Hauswänden ein gekreuzigter Jesus prangte, hier würde ich nicht wohnen wollen. Jeden Tag ein Bild von einem Mann sehen müssen, dessen Gesicht blutüberströmt war, von den Dornen des Rosenkranzes. Ob Jesus das gewollt hätte? Wollte er nicht dass auch wir Wunder vollbringen und schöpferisch sind? Wollte er nicht eigentlich ein Vorbild für uns sein und uns ermutigen, ebenso schöpferisch und Wunder vollbringend wie er zu sein, anstatt ihn anzubeten und sein Bild überall hin zu hängen?

Sorry für die kurze Abschweifung. Ich sitze hier im angenehm kühlen Hochland von Guatemala, auf der Hotelveranda des zuckersüßen Hotels Casa Familiar. Ich bin glücklich über die letzten Tage, die mich über die Berge durch Dörfer durchgeführt haben, wo nur selten mal eine „Gringa“ auftaucht. Hier in Todos Santos Cuchamatan wundere ich mich über die Männer, die alle weiß-rot gestreifte Hosen und weiße Hemden mit besticktem Kragen tragen, dazu die Frauen mit ihren dunkelblauen Röcken und bunten Blumenblusen. Die jüngeren Männer haben Nike Zeichen auf ihre Hosentaschen genäht, die teilweise denselben Schnitt haben, wie fesche moderne Jeans Hosen bei uns. Echt ein ganz eigenes, lustiges, super freundliches Völkchen. Und ich bin schon wieder am abschweifen…

Nun aber zu den Wünschen oder besser Geschenken. Nach den ersten paar Tagen Eingewöhnung und Ankommen in Südamerika, habe ich bei Gott, dem Schöpfer, der universellen Energie, die uns alle verbindet, die alles durchfließt einen Auftrag aufgegeben. Und zwar: Ich hätte gerne jeden Tag ein Geschenk!

Und es ist der Hammer, was bis heute damit passiert ist. Ich habe absolut jeden Tag mein Geschenk erhalten, manchmal sogar zwei. Natürlich werde ich Euch jetzt auch erzählen, was das für Geschenke waren, denn begonnen hat es mit einem recht skurrilen Geschenk, ja fast ein wenig gruselig, darum musste ich meinen Wunsch dann noch mal perfektionieren und mir ein schönes Geschenk wünschen.

Mein erstes Geschenk habe ich in Mexiko auf der Strecke zwischen Cancun und Bacalar erhalten. Dort hatte es einen heftigen Unfall gegeben, wo ein Taxifahrer in einen kleinen LKW gecrasht war. In dem Augenblick, wo unser Bus langsam am Unfallort vorbeifuhr, machte ein Reporter ein Photo von dem toten Taxifahrer, der ein wenig blutig hinter dem Lenkrad eingequetscht war. Mein Geschenk an dem Ereignis war, dass ich einen toten Menschen sehen durfte, was ich als sehr berührend und spannend empfand. Mir wurde bewusst, was der Unterschied zwischen einem mit Leben erfüllten Menschen und einem Toten ist. Die Aura fehlte. Der tote Taxifahrer war schwer, ich meine er sah schwer aus, wie ein Sack. Er war nicht mehr der Mensch, der er gewesen war, seine Seele war schon nicht mehr in dem Körper.

Am nächsten Tag habe ich das Bild von dem Taxifahrer in der Zeitung gefunden, neben jeder Menge anderer Bilder, meist Opfer von Gewaltverbrechen, teils zerstückelt… brrrr, was für ein Unterschied, in solch einer Welt voller Gewalt zu leben, oder es sich an der Lagune von Bacalar mit weißem Sand und türkiesenem Wasser gut gehen zu lassen.
Ich behaupte, es ist unsere eigene Entscheidung, was wir erleben wollen, nur haben wir das vergessen oder es fällt uns nicht ein, dass wir jederzeit um alles bitten dürfen und uns unsere eigene Realität gestalten können.

So habe auch ich mich dann entschlossen, um Geschenke zu bitten, die ein wenig erfreulicher sind und irgendwie ein wenig leichter. Und das nächste Geschenk lies dann auch nicht lange auf sich warten.

Ich spreche nur ein wenig spanisch und so bin ich mir nicht immer ganz sicher, auch alles richtig zu verstehen. In Bacalar hatte ich ein Zimmer bei einer netten, älteren Dame, die nebenbei auch noch einen Fashionshop betrieb, gefunden. Ich konnte den Garten mitbenutzen und mit ihren beiden Hunden Terry und Poncho spielen. Sie war so nett gewesen, mir eine Bootstour über die Lagune zu organisieren, und auch den Taxifahrer, der mich dorthin brachte. Die Bootstour war unglaublich schön, diese Türkiestöne, dieser weiße Sand…

Mit auf dem Schiff waren drei russisch-Deutsche. Mit einem von Ihnen, den ich besonders nett fand, kam ich auch kurz ins Gespräch. Nach der Bootstour stand ich ein wenig verloren herum, denn mein Taxifahrer war nicht da. Ich war noch am überlegen, an wen ich mich wenden könnte, da kam der eine Deutsche auf mich zu und bot mir an, mich mit zurück in die Stadt zu nehmen. Fast ein wenig traurig schlug ich das Angebot aus, denn ich wollte den Taxifahrer nicht versetzen und der kam dann auch fünf Minuten später.

Dies nahm ich zum Anlass, die Bitte um ein Geschenk jeden Tag, noch mal ein wenig zu verfeinern und zwar bat ich um ein Geschenk, dass ich auch wirklich brauchen konnte.

Am nächsten Tag bekam ich ein Bier geschenkt, als wir in Flores bei den Maya Ruinen von Tikal in Guatemala, bei der Busgesellschaft beim Abladen unseres Gepäcks warten mussten. Das trank ich in diesem Augenblick nur zu gerne.

Ebenfalls in Flores, saß ich am Nachmittag des nächsten Tages im Cool Beans und der Typ am Tisch neben mir hatte sich Nachos mit Guakamole bestellt. Eine riesige Portion war das und er fragte mich, ob ich die Hälfte haben wollte. Irre wie das funktionierte mit den Geschenken.

Im Cerro Cahui teilte ein kleiner Fuchs etwa fünf Minuten seinen Weg mit mir, das war ein wirklich tolles Geschenk.

In Tikal bekam ich gleich jede Menge Geschenke. Ich sah einen Kolibri, wie er seine Jungen im Nest fütterte. Es gibt dort einige Ruinen, auf denen wir herumklettern konnten, sie reichten bis in die Bäume mit dem Nest, so hatte ich das große Glück diesen kleinen Kerl beobachten zu können. Dann sah ich eine Vogelspinne und die Ameisenbären haben mich mit ihrem putzigen Aussehen auch sehr glücklich gemacht. Und das Spektakel der brüllenden Brüllaffen, die gerne mal Touristen von ihrem Sitz hoch oben in den Bäumen anpinkeln, war auch ein Geschenk. Sie haben natürlich nicht getroffen, denn ich wusste davon und als es auf den Blättern anfing zu Plätschern, bin ich ein Stück weiter gegangen.

Von Tikal aus fuhr ich in einem Minibus, nur mit Touristen besetzt Richtung Coban und war so froh, als ich in Chisec endlich den ausgetretenen Touristenpfad verlassen konnte. Untergekommen in Chisec bin ich in einer einfachen Hospedaje und ging von dort zu Fuß zu den Höhlen von Bombil Pek. Der Weg war weiter als erwartet. Der Sohn meiner Vermieterin hatte sich um einiges verschätzt und vom eigentlichen Eingang an der Straße ging es auch noch mal quer Beet durch Maisfelder und Dschungel, etwa 45 Minuten bis zu den Höhlen. So war ich auf dem Rückweg dann auch ganz schön erschöpft und war wirklich sehr froh, als ich im Pickup der Polizei auf der Ladefläche bis zu meiner Hospedaje mitfahren durfte.

Am nächsten Morgen habe ich ganz früh ein TukTuk zu den etwa 12 km entfernten Lagunen de Sepalau bekommen. Dort angekommen war ich alleine, neben ein paar Familien, die Wäsche wuschen und sich sehr erstaunt zeigten über meine Anwesenheit. Mich hier im Bikini ins türkiesene Wasser zu stürzen, hielt ich für unangemessen. Die Lagunen waren wunderschön, aber ich entschied mich, mich auf den Rückweg zu machen, bevor es in der Mittagssonne zu heiß wurde. Die etwa zwei Kilometer bis zum Dorf Sepalau, schaffte ich noch ohne große Anstrengung und ich hoffte ein Taxi oder TukTuk zu finden, aber hier gab es nur Fußgänger. Da kam ein uralter blauer Pickup angerollt und sein älterer Fahrer bot gleich an, mich mitzunehmen, ohne dass ich ihn gefragt hatte. Er scheuchte sogar seinen jüngeren Beifahrer auf die Ladefläche, so dass ich Vorne Platz nehmen konnte. Bis Chisec waren es noch ungefähr 10 km und langsam wurde es sehr heiß auf dem schattenlosen Weg. Am Marktplatz von Chisec angekommen, fragte ich den Fahrer, wie viel er haben wolle, ich hätte ihm gerne das doppelte wie dem Tuktukfahrer bezahlt, so dankbar war ich über diese Fahrt. Aber der Fahrer wollte gar nichts haben. Also das war mal ein Geschenk, dass ich wirklich brauchen konnte.

Und so kam ich noch am gleichen Tag zur Laguna Lachua. Den Nachmittag, die Nacht und den nächsten Morgen an dieser Lagune verbringen zu dürfen war eigentlich auch ein Geschenk, denn so etwas Schönes habe ich noch nicht gesehen. Man brauchte gar nicht zu tauchen, um die vielen Fische im klaren Wasser zu erkennen. Und auf dem vier Kilometer Fußweg dorthin, durch den Dschungel konnte ich Eidechsen beobachten, die wie kleine Dinos aussahen.

Am nächsten Tag ging es nach Barillas, einer etwas größeren Stadt, in der ich eine Nacht verbringen musste. Auf dem Main Plaza kam ich mit einer jungen Frau und ihrer Mutter ins Gespräch, die mir gleich erklärte, wie ich am nächsten Morgen zum Busterminal kommen konnte. Das ersparte mir ein mühsames herumfragen am nächsten Morgen. Definitiv, diese nette Begegnung war das Geschenk diesen Tages.

Am nächsten Morgen musste ich am Busterminal gut eineinhalb Stunden warten bis mein Bus nach San Rafael abfuhr. Ich entdeckte ein kleines Internetkaffee und der junge Mann dort gab den WiFi Schlüssel in mein Handy ein. Nach einer knappen Stunde Whats App Nachrichten schreiben und Emails checken, fragte ich ihn, was ich ihm schulde und er winkte lachend ab. Ich hätte nur etwas zahlen müssen, wenn ich auch einen der Computer benutzt hätte.

Und weiter geht es mit den Geschenken, wie gesagt, ich habe mir jeden Tag eines gewünscht und meist bekam ich mehr. Aber in San Rafael bekam ich ein absolut unverhofft cooles Geschenk. Die Menschen her sind ein wenig schüchtern Ausländern gegenüber. Nicht oft verirrt sich ein Tourist hierher. Ich wurde ganz schön angestarrt, und meist nur verhalten gegrüßt. Aber eine Frau mit einer Schar kleiner Kinder um sich, auf einem kleinen Feldweg oberhalb von San Rafael, begrüßte mich lachend und voller Offenheit mit vielen Fragen. In ihrem Vorgarten standen herrliche Blumen, riesige Verwandte der Callas, die man in den Gärtnereien in Berlin bekommen kann. Ich bewunderte diese schönen Blumen und machte Photos von ihnen. Darauf lies sie ihren Jungen eine Schaufel hohlen und grub für mich ein paar Wurzeln aus und schenkte sie mir. Dann gab sie mir noch ein paar Pflegetipps mit auf den Weg. Auch durfte ich ein Photo von ihr machen, was eine echte Seltenheit in den Highlands von Guatemala war. Sie versuchte noch, die Kids mit aufs Bild zu bekommen, aber die meisten waren zu scheu. Was für eine glücklich machende Begegnung!

In San Miguel ging es mit ein paar kleinen Geschenken weiter. In einem Comedor passten sie auf meinen Rucksack auf, ein paar Männer wussten sofort, welchen Bus ich zum weiterkommen nehmen musste und auf dem Markt habe ich für meine Freundinnen so viele von diesen wunderbar bestickten Gürteln und ein paar Taschen gefunden, tolle Andenken abseits der Touristenläden.

Und heute in Todos Santos Cuchamatan bin ich morgens zu einer kleinen Wanderung in die umliegenden Dörfer, den Berg hoch aufgebrochen. Vor einem der Häuser war ein Mann, in typischer rot-weiß gestreifter Hose, damit beschäftigt, sein Brennholz zu verarbeiten und wir kamen ins Gespräch. Er lud mich dann auf eine Schüssel Wasser an seinem Haus ein und segnete mich zum Abschied mit einem Kreuz. Das war auch ein schönes Geschenk. Mal gucken, was ich morgen bekomme.

Ebenfalls in Todos Santos im Casa Familiar vergaß meine Wirtin gleich zweimal, mir das Getränk zu berechnen. Aber das sagte ich ihr. Das sah ich nicht wirklich als Geschenk.

Probiert es doch selber mal aus! Gebt in Auftrag, dass ihr ein Geschenk haben wollt. Am besten noch in welchen Zeitraum, z.B. an diesem Tag. Und meine Erfahrung war, das es Sinn macht, das Geschenk ein wenig einzugrenzen, dass man auch etwas bekommt, das man brauchen kann.

In Sacapulas, einer kleinen Stadt an einem Fluss, fühlte ich mich beschenkt durch einen unglaublich entspannenden Nachmittag, auf dem Sofa im Innenhof, inmitten vieler Pflanzen, ganz alleine ohne andere Gäste, konnte ich stundenlang lesen.

In Lanquin bekam ich eine Tuktukfahrt geschenkt, natürlich bekam der Tuktukfahrer eine Miniprovision, als er mich im Hotel ablieferte. Für mich war der Zimmerpreis allerdings der Gleiche, also ich zahlte nicht die Provision dazu.

Am nächsten Tag nahm ich an einer Ausflugstour zu den Pools von Semuc Champey. Der erste Stopp war bei den Höhlen, in denen man hätte schwimmen müssen. Danach war mir gar nicht. Und so brachte mich unser Pickupfahrer, auf mein Bitten hin, als einzige der Gruppe schon zum Eingang des Naturschutzgebietes Semuc Champey und war so freundlich, mich an der Warteschlange vorbei, hinein zu bringen. Dazu erklärte er mir noch, was ich im Park alles sehen könne und wie ich zum Aussichtspunkt komme. Das hätte ich natürlich auch selber herausfinden können, und so war die Führung und Erklärungen wieder ein Geschenk, dass ich bekam.

Überhaupt hatte ich nur nette und hilfreiche Menschen um mich herum. Ich musste fast nie lange warten, nie lange suchen, es war fast unglaublich, wie reibungslos alles funktionierte.

Auf dem Rückweg lies ich mich in Lanquin, in der Dorfmitte absetzen, während die anderen zum Hotel weiter fuhren. An nächsten Tag wollte ich zum Rio Dulce, was den ganzen Tag unterwegs zu sein bedeutete und viele Male umsteigen, so las ich in meinem Reiseführer. Ich lief durch Lanquin und plötzlich sah ich ein Schild: Bustickets nach Rio Dulce. Gut, ich kaufte eines und saß so wieder in einem Bus voller Touristen, aber ich sparte auch wertvolle Zeit und wir erreichten den Bootsanleger in  Rio Dulce  schon nach 4 Stunden. Also diese Schild für das Busticket war ein wertvolles Geschenk.

In Rio Dulce angekommen war mein Plan, mich in aller Ruhe in ein Restaurant zu setzen und den Reiseführer zu lesen, was man hier überhaupt machen kann. Das Problem war, das letzte Boot in die Flussgegend mit den ganzen Hotels ging in zehn Minuten. Und so kam ein weiteres Geschenk, ein deutsches Pärchen erzählten mir von ihrer gebuchten Unterkunft und das klang so gut, dass ich mich ihnen einfach anschloss. Die absolut richtige Entscheidung.

Nun könnt ihr langsam einwenden, all diese Geschenke sind doch gar nicht richtig was zum Anfassen, also keine richtigen Geschenke. Also ich finde schon, denn es waren immer Informationen oder Hilfestellungen, die mir das Leben in diesen Momenten, wo ich sie erhielt, leichter machten.

Aber nun kommt das vom Geldwert her größte Geschenk. Ich wollte von Rio Dulce aus durch Belize zurück nach Mexiko auf dem Landweg. Das war ein spontaner Entschluss. Die ganze Zeit hatte ich gedacht, ich würde von Guatemala City nach Cancun in Mexiko fliegen, aber ich hatte keine Lust nochmal in Cancun zu landen, denn ich mochte die Mallorca-Touristenstimmung dort nicht.

Ich wusste allerdings nichts über Belize, würde mir aber die Reise dorthin auch ohne Reiseführer zutrauen. Ich erzählte dem deutschen Paar Mo & Helge, die ich im Biotop Chocon Machacas am Rio Dulce traf, von den Plänen und siehe da, sie hatten sich gegen einen Besuch von Belize entschieden und darum einen nagelneuen Belize Reiseführer, den sie mir schenkten und dann auch noch einen Rough Guide, meine Lieblingsmarke. – Sorgt das Universum nicht toll für einen?

Was ich aber auch gelernt habe, man muss in die Welt gehen mit den Dingen, die man braucht. Man muss sich mitteilen und dem Universum auch die Möglichkeit geben für einen zu sorgen, also auch nach den Dingen fragen, die man braucht, so dass man Geschenke oder Antworten bekommen kann.

Von Livingston in Guatemala fuhr ich am nächsten Tag mit einem kleinen offenen Motorboot bei extremem Wellengang etwa 1 1/2 Stunden über das Meer nach Belize. Hätte ich vorher gewusst, dass man mit so einer kleinen Schüssel über das offene Meer fährt, ich hätte mich nicht dazu entschieden. Aber dann war auch dieses Abenteuer überstanden. In Punta Gorda kam dann auch mein nächsten Geschenk, dass ich allerdings etwas schmunzelnd ablehnen musste. Nach den schnell erledigten Einreiseformalitäten, brauchte ich einen ATM Automaten. Auf dem Weg dorthin bekam ich einen kurzen Eindruck von Punta Gorda, es herrschte so eine „am Ende der Welt ist alles ein wenig hoffnungsloser, darum lungern wir in Kneipen herum“ – Stimmung. Viele Rastafaris und ein älterer weißer Mann sprachen mich an oder luden mich auf ein Bier am Mittag ein. Ich hatte es aber ein wenig eilig, wollte noch kurz was zu essen einkaufen und dann den Bus nach Belize City bekommen. Vor einem Supermarkt wartete ich auf den Bus und da kam der junge Mann mit den hübschen schwarzen Locken und hatte das nächste Geschenk für mich. Ich hätte eine wunderbare Nacht mit ihm haben können, mit all seinem Charme versuchte er mich mit Worten zu locken, wie toll es doch mit ihm wäre. Ich kam aus dem schmunzeln nicht raus, denn er war echt ein hübscher, humorvoller Kerl. Dennoch – ich nahm dieses Geschenk nicht an und fuhr wie geplant nach Belize City.

Am nächsten Tag wollte ich die Mennoniten in Blue Creek Village besuchen und hier hörten die Geschenke gar nicht mehr auf. Der Bus hielt etwa 20 Kilometer vor Blue Creek Village auf einer sehr verlassenen Landstraße. Endstation, aber ich hatte Lust zu laufen und ging los. Nicht lange musste ich gehen, denn schon das zweite Auto, mit Vater und Tochter und nahm mich die gesamte Strecke mit.

In Blue Creek Village konnte ich mich vor Gastfreundschafts-Geschenken gar nicht mehr retten. Judy (73 Jahre) nahm sich am Nachmittag eine Stunde Zeit, um mir das Dorf zu zeigen. Da jede Familie ein riesiges Stück Land um ihre schönen Farmhäuser hatten, brauchten wir eine halbe Ewigkeit. Sie zeigte mir die Kirche und Schule, die Krankenstation und den großen Supermarkt, der ihrer Tochter gehörte. Nachmittags schickte sie mir einen Freund vorbei, der den ganzen Weg zu meinem Zimmer auf dem Berg, mit seinem Scooter gefahren kam. Etwa 20 Minuten von seinem Haus. George wr auch Mitte 70 und erzählte mir, wie er mit 14 Jahren nach Belize kam und noch alles voller Dschungel war… sicher eine Stunde berichtete er mir über den Aufbau dieses gigantischen Dorfes. Vom Dschungel bis zu diesem Reichtum heute. Am nächsten Morgen wurde ich von Judy und ihrem Mann John dann noch zum Frühstück eingeladen, ins Tischgebet mit eingeschlossen und dann auch noch von Judys Tochter bis ins eine Stunde weit entfernt gelegene Orange Walk mitgenommen. Bei all dieser Umsorgtheit fühlte ich mich eher wie ein Familienmitglied, als ein Reisender. Einfach unglaublich.

Das nächste große Geschenk war mal wieder eine Mitfahrgelegenheit. Ich war schon in Mexiko und hatte von Tulum aus einen Ausflug zu den Mayaruinen von Coba gemacht. Außerdem die Cenotes, die hier in der Nähe waren mit einem Leihfahrrad besucht, unglaublich gut gegessen im herrlichen grünen Restaurant El Crocodilo und nun wollte ich gerne nach Tulum zurück. Wann und wo ein Bus abfuhr, die Informationen waren ein wenig unterschiedlich. An der Kirche oder an der Straßenkurve dort hinten…, in etwa einer Stunde, mh. Mein letztes Geld (in Coba gab es keinen ATM) hatte ich in einen Tigerkopf aus Holz für meinen Sohn investiert und hatte nur noch ein paar Pesos für ein Orangenlimonade und das Busgeld. Ich kaufte die Limonade, frage noch mal nach dem Bus und dann winkte ein Mexikaner, der gerade in sein Auto einsteigen wollte und lachte mich mit seinen vergoldeten Zähnen an, ob ich nicht mit ihm nach Tulum fahren wollte. Ich beschloss ihm zu trauen, und es war dann so nett. Sein spanisch war leicht zu verstehen und wir unterhielten uns prächtig. In Tulum fuhr er für mich noch einen kleinen Umweg und zum Abschied winkte er mir noch lachend hinterher. Herrlich!

In Tulum bekam ich das perfekte Zimmer für mich. Obwohl fast alles ausgebucht war, fand ich im bekannten Hostal Weary Traveller ein Zimmer ganz am Rand, also etwas abseits und ruhig. Und ebenso in Playa del Carmen, ein grusliger Touristenort. Fast genau dort, wo mich der Minibus raus lies, fand ich das kleine, schnuckelige, ganz ruhige und unglaublich freundliche Hotel Colorado und auch noch viel günstiger, als ich gedacht hatte. Solche glücklichen Umstände sind für mich auf jeden Fall kleine Geschenke! Wenn ich dran denke, dann gebe ich solche Hilfestellungen beim Universum in Auftrag. Man kann das vergleichen mit einer Bestellung bei Amazon. Ich bestelle was ich haben möchte und natürlich bekomme ich es auch. Das ist wie mit dem Parkplatzengel, der einem im autoüberfüllten Berlin immer einen freien Parkplatz verschafft.

Wenn ich auf Reisen bin, klappt es eigentlich immer, darum liebe ich das Reisen so. In meinem Berliner Alltag, mit meinen Kids und den vielen Verpflichtungen durch meine Praxis, wird es auch immer besser. Der Trick ist, alte Glaubensmuster zu erkennen und zu verändern, die im Unbewussten schlummern und die guten Vorsätze sabotieren oder verhindern, dass wir Angst- und Sorgenfrei leben. Ein spannender Weg, aber jeder einzelne Tag beinhaltet Fortschritte und ich merke, dass ich immer glücklicher und dankbarer werde.

 

Wann hast Du Dich zum letzten Mal unverhofft beschenkt gefühlt? Oder um etwas gebeten und es auch bekommen? Ich freu mich, wenn Du Deine Erfahrungen im Kommentar teilst. Und wenn Du über neue Berichte informiert werden willst, dann abonniere meinen Newsletter!

 


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