Reisen als Frau alleine: Ein nackter Türke & die besondere Frage eines unverheirateten, indischen Freundes..

Indien Gokarna by Birgit Strauch Life Coaching und Shiatsu

Reisen als Frau alleine Colca Canyon Peru by Birgit Strauch Bewusstseinscoaching & ShiatsuDas Reisen alleine, egal ob als Mann oder Frau beinhaltet, dass man die größte Möglichkeit hat sich auf das Erlebnis des Reisens einzulassen. Als Paar, in Begleitung oder auch mit meinen Kindern, bin ich natürlich immer ein wenig abgelenkt oder auch was die Spontanität angeht, mal eben von Bus zu springen, wenn die Landschaft gerade bombastisch schön wird, ist das in Begleitung nur selten möglich. Ich werde, wenn ich alleine unterwegs bin auch viel häufiger angesprochen oder eingeladen.

Aber natürlich ist es auch schön, als Paar zu verreisen. Bloß dabei geht viel Zeit für die Zweisamkeit drauf. Wenn ich mal mit meinem Freund verreist bin, dann wird länger gegessen, länger geschlafen, vielleicht ein romantischer Strandspaziergang und manchmal wird auch über Daheim gesprochen. Wenn ich alleine unterwegs bin, dann ist mein Kopf frei, ich bin mehr auf das eigentliche Reiseerlebnis fokussiert und kann mich aus dem Bauchgefühl heraus treiben lassen.

 

Aber nun zu den Vorteilen, als Frau alleine unterwegs zu sein:

Ich kann als Frau Frauen kennen lernen und Männer! In vielen Kulturen ist es für einen Mann alleine unterwegs ein Tabu, mit Frauen oder gar jungen Mädchen in Kontakt zu kommen. In Myanmar auf dem Land geht das gar nicht. Auch in Guatemala auf dem Land, wo die Menschen sehr zurückhaltend und scheu sind, sollte ein Mann, der alleine reist, keine Frau, die alleine auf der Strasse geht, ansprechen. In manchen Kulturen wird schon der Blickkontakt schwierig zwischen Männern und Frauen. Ich dagegen habe oft das Gefühl, Frauen unter sich verstehen sich überall auf der Welt. Ein Blick, eine offene Geste, ein verständnisvolles Lachen und schon hat man den ersten Kontakt und versteht sich, selbst wenn man nicht die gleiche Sprache spricht.

Und was die Männer angeht, ich muss sagen ich mache mit meiner Art, die ich mir angeeignet habe, sehr gute Erfahrungen. Ich arbeite in meiner Berliner Praxis mit Shiatsu und auch Ölmassagen. Wenn neue Klienten kommen, bin ich freundlich und professionell, lache viel, wie es mein Naturell ist. Ich habe Verständnis für all die kleinen und großen Probleme, aber ich flirte niemals. Und genau so behandle ich die Männer unterwegs auch. Mit einem entwaffnenden Lächeln, einem großen Interesse und Herzlichkeit, aber in keiner Weise sexy oder mädchenhaft, eher kumpelhaft. Besonders leicht fällt das natürlich in Kulturen, wo die Männer an uns westlichen Frauen zum Liebhaben eh kein besonderes Interesse haben. Wie in Myanmar, wo ich in Yangon am Hafen mit einer Gruppe tätowierter Hafenarbeiter jede Menge Spaß hatte, als wir uns unsere Tattoos zeigten und einfach herumalberten. Auch in Guatemala und Mexiko, wo die Menschen im allgemeinen sehr ruhige, entspannte Persönlichkeiten sind, bin ich immer wieder per Anhalter gefahren, weil es gerade keine andere Möglichkeit gab. So etwas kann man Abseits der Touristengegenden gut machen. Hier gehe ich im Allgemeinen immer davon aus, dass die Menschen es gut mit mir meinen. Und auch hier komme ich mit meiner forschen, burschikosen aber sehr herzlichen Art gut weiter. In Peru dagegen waren die Männer charmanter und an mir als Frau sehr interessiert, was sich aber immer in netten Einladungen äußerte und in wertschätzenden Flirtversuchen, die ich einfach ausschlagen konnte.

 

Eine äußerst nackte Begegnung in Side

In der Türkei hatte ich interessante Erfahrungen, denn dort war ich alleine unterwegs, aber im fünften Monat mit meiner Tochter schwanger. Ich musste einfach noch mal unterwegs sein, bevor ich Mutter wurde und mein Freund, ihr Papa konnte leider nicht mitkommen. Meinen Babybauch unter der Jeans-Latzhose sah man auch schon ein wenig. Das war die einzige Reise, für die ich mir so einen gruseligen Rollkoffer zugelegt hatte. Dennoch reiste ich, wie ich es gewohnt war. Von Ort zu Ort und kam in Hostels unter und nicht in diesen ganzen Hotelburgen, die man in der Türkei leider viel zu oft vorfindet. Ich habe so viel Hilfe, von hauptsächlich Männern, bekommen. So oft wurde mein Koffer getragen oder mir de Tür aufgehalten, es war herrlich.

Bis auf einmal in Side. Ich mochte Side, eine Stadt am Meer. Ich bewohnte ein Hostel in der Altstadt. Es war Mai und noch ein wenig zu frisch und zu windig für Badegäste am Strand. Allerdings beobachtete ich eine Engländerin, wie sie mit einem türkischen Mann am Strand in einer Art hemmungslos knutschte, die darauf schließen lies, dass sie sich hier kennengelernt hatten und es nur um das Eine ging. Die Ruinen von Side hätte ich gerne erkundet, aber mir fielen die ganzen Männer auf, die einzeln zwischen dein Ruinen herumlungerten. So als ob sie nur auf eine Touristin warteten. Ich hielt mich ein wenig auf dem Hauptweg auf und machte dann kehrt. Hier sagte mir mein Gefühl, bietet es sich nicht an, alleine herumzulaufen, schade eigentlich.

Am Strand von Side gab es Dünen, in denen man sich ein wenig windgeschützt in die Sonne liegen kann. Wie gesagt, es war Mai und noch ein wenig zu frisch für einen Badeurlaub und dementsprechend wenig los. Ich legte also mein Tuch zwischen die Dünen, zog meine Schuhe und Socken aus und setzte mich in meiner Latzhose bequem in den Sand und begann zu lesen.

Plötzlich aus heiterem Himmel sprang ein, ich vermute schwer, türkischer Mann, schwarzhaarig, jung und schlank, aber nackt und mit deutlichem Ständer in meine Sandkuhle. Ich sprang auf und schrie ihn an: „Fucking asshole…!“ Und hatte Glück, dass er so schnell, wie er erschienen war, er auch wieder verschwand. Vielleicht hatte er gesehen, dass ich schwanger war, vielleicht wollte er nicht mehr, als ein wenig zu schockieren. Auf jeden Fall hatte er erreicht, dass mir Side in Erinnerung blieb und ich immer eine merkwürdige Geschichte zu erzählen hatte. Aber natürlich kann ich auf solche Begebenheiten verzichten. Allerdings, was dieses Erlebnis mit allen ähnlichen erlebten dieser Art gemeinsam hatte, es fand an einem Ort statt, an dem es viel Tourismus gibt.

 

Bikinis und ein Strand in Indien – die Folgen

Aus Indien kann ich Ähnliches erzählen, wenn auch nicht so direkt. Schon vor zwanzig Jahren badeten immer wieder westliche Frauen in Kovolam am Strand im Bikini. Ich kann total verstehen, dass man gerne sonnengebräunt sein will, aber wieso fährt man dann in ein Land, wo sich die einheimischen Frauen nicht im Bikini zeigen würden. Ich möchte hier gar nichts verurteilen, es ist einfach nur so, dass gewisse Verhaltensweisen Folgen haben können. In Indien kann das Bikini tragen an bestimmten Orten, die Folge haben, dass man unangenehm angebaggert wird und respektlos behandelt wird. In Kovolam habe ich mehrere indische Männer beobachtet, die sich am Strand, versteckt hinter den Felsen unter ihrem Lunghi einen runter geholt haben. Ehrlich gesagt, das will ich nicht sehen. Anders empfinde ich bei einem jungen Pärchen, dass man plötzlich an einem einsamen Strand beim Liebe machen sieht, da gehe ich dann grinsend vorbei und freu mich für die Beiden.

 

Mein Freund Pranesh und seine ganz spezielle Frage an mich

Ich hatte in Indien einen jungen Mann kennen gelernt, Pranesh, in einer nicht besonders touristischen Tempelstadt. Wir waren zusammen Tee trinken, dann fuhren wir auf seinem Mofa einen älteren Freund von ihm besuchen, der uns auch wiederum zum Tee in sein Haus einlud. Die Gespräche gingen um Gott und die Welt. Pranesh war ein offener, neugieriger Mann. 30 Jahre, unverheiratet und auch keine Hochzeit in Aussicht. Er arbeitete im Schmuckgeschäft seines Vaters und besaß, bei einer befreundeten Familie auf dem Grundstück, ein gemietetes Zimmer ohne Bad, welches er mir auch zeigte. Um es vorweg zu nehmen, ich fühlte mich gut mit ihm, er machte mich auf keine unangenehme Weise an, wie ich das von indischen Männern schon öfter erlebt hatte. Am nächsten Tag fuhren wir mit dem Bus zu einem Tempel, einem Pilgerort für viele gläubige Hinduisten. Pranesh konnte mir viel erzählen, über die Geschichte und den Hinduismus und auch den Fisch mit dem goldenen Nasenring (eher Maulpiercing), den man manchmal sah, wenn man die Fische fütterte und sie mit ihren Mäulern an die Wasseroberfläche kamen. Wir aßen zusammen mit hundert anderen Pilgern auf dem Boden des Tempels. Das hätte ich alleine nicht machen können, weil ich gar nicht gewusst hätte, dass auch ich als Nicht-Hinduistin oder Ausländerin, mich hier einfach dazu setzen durfte. Ich wollte in diesem Ort übernachten und Pranesh musste am Abend wieder zurück bei seinem Vater im Geschäft sein. Natürlich redeten wir auch über Beziehungen, Heirat und Pornos. Er erzählte mir, dass es, er nannte ihn glaube ich Blue Channel, einen Fernsehkanal in Indien mit erotischen Filmen gab. Na klar, fand ich es als junges Mädchen auch spannend, wie ein indischer Mann so lebt und liebt. Dann begleitete mich Pranesh in mein Hotelzimmer und begutachtete es mit mir zusammen. Er saß ein wenig händeringend auf dem Bett und fragte mich in einer Tonlage, in der jemand fragen würde: „Hilfst Du mir nachher beim Autowaschen?“ / „Schläfst Du mal mit mir und zeigst mir wie das so ist?“. –

Da wir uns echt schon ein wenig angefreundet hatten und ich um sein Problem wusste, dass er schon zu alt war, um dass sein Vater noch eine Frau für ihn finden könnte, und er anscheinend noch nie mit einer Frau zusammen war, fand ich seine Frage mutig und auch nicht weiter schlimm. Aber meine Antwort war auch klar: „Nein, sorry, das geht nicht!“. Und das wars, kein Problem. Wir gingen dazu über, einfach weiter über Gott und die Welt zu plaudern. Abends brachte ich ihn zum Bus und hatte das Gefühl, ich würde ihn so gerne mal kurz an mein Herz drücken, was ich dann auch einfach tat. Er klopfte mir im Gegenzug sehr männlich auf meinen Rücken, was mir auch zeigte, dass er es nicht gewohnt war, eine Frau zu umarmen. – Ich habe ihn leider nicht wieder gesehen, aber wir hatten noch ein paar Jahre lang Briefkontakt.

 

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Mai 29th, 2017

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