Reisen als Frau alleine: Manchmal war es einfach zu kalt, um alleine zu schlafen. Von Freundschaften unterwegs.

Udaipur Jan Holländer Maler by Birgit Strauch Bewusstseinscoaching & Theta Healing

Ein paar Geschichten aus Indien!

Auf meiner sechsmonatigen Indienreise war ich 1997/98 mit nur 200$ pro Monat unterwegs. Das hieß natürlich, dass ich Geld sparen musste, wo es nur ging, vor allem bei den Übernachtungen. Aber vielen Travellern in den Hostels ging es ebenso und ich fand oft Menschen, die sich ein Zimmer, oft ein Doppelbett mit mir teilten. Manchmal waren es Frauen, manchmal Männer, und aus so vielen verschiedenen Regionen, aus Australien, Österreich, England, Holland, Israel. Da lernte ich nicht nur Indien kennen, sondern auch noch andere Länder. Hier einfach die schönsten Geschichten für Euch und drei Menschen, die auch nach der Heimkehr noch eine Zeit lang Freunde blieben.

 

Jan, ein Holländer in Udaipur

Udaipur Jan Holländer Maler by Birgit Strauch Bewusstseinscoaching & Theta HealingDa gab es Jan, den Holländer in Udaipur, wo ich zwei Wochen verbrachte. Udaipur war nach Delhi und Jaipur, wo ich nur kurz war, der dritte und erste lange Stop meiner sechsmonatigen Indienreise. Mit Jan lernte ich endlich englisch, was nicht ganz unwichtig war für meine Weiterreise. Da er Holländer war, verstand er auch mal einen deutschen Satz, spornte mich aber wirklich an, im Englischen zu bleiben. Ich bin ihm heute noch sehr dankbar, für diese große Hilfe. Jan war schon fünf Jahre in Indien unterwegs und hatte für mich als „Neuling“ auch so manche Geschichte und Erklärung über dieses mystische, schwer zu greifende Land parat. Mit all den anderen Langreisenden die ich immer wieder traf, hatte Jan eines gemeinsam, er war an einer tiefgehenden Freundschaft, vielleicht auch an ein bisschen mehr interessiert. Wenn man so lange unterwegs war, dann schienen einen die kurzen Begegnungen zu langweilen. Wir verbrachten viel Zeit zusammen, wir wohnten im gleichen Hotel, schliefen manchmal auch, einfach nur so, Arm in Arm im gleichen Bett und unternahmen Ausflüge, badeten nackt, nur in Gesellschaft von einer Wasserschlange, in einem einsamen See (unbeobachtet, sonst geht das Nacktbaden in Indien gar nicht!). Er sah mit mir zum X-ten Mal in einem der Restaurants den James Bond Film, der in Udaipur gedreht wurde, er malte mich und bemalte mich als Bodypainting, denn er war Maler. Wir saßen Abende lang  auf dem Balkon oder der Dachterrasse und blickten über den See, hatten wunderbare Gespräche und tauchten ein in die indische Nacht mit ihren Geräuschen und Gerüchen. Irgendwann kam der Abschied, denn ich musste los, nach zwei Wochen musste ich weiterziehen, das sagte die Unruhe in meinem Bauch mir ganz deutlich. Und ja, es gab eine langen Kuss mit diesem herrlich bärtigen Mann, aber erst bei einem Wiedersehen in Amsterdam, wo wir ein paar Tage miteinander verbrachten. Aber auch nicht mehr. Kurz darauf hatte er seine Freundin kennen gelernt, die sehr eifersüchtig war und kein weiteres Treffen duldete. Das war schon ein wenig traurig. Also Jan, wenn Du jetzt 20 Jahre danach auf diesen Artikel oder auf Dein Photo hier stößt, dann zögere nicht, Dich zu melden. Ich denke gerne an die Zeit mit Dir zurück! Mit Dir habe ich nicht nur englisch gelernt, Du hast mir auch Indien ein ganzes Stück näher gebracht.

 

Nick, ein Engländer, mein wärmender Retter in der Not

Kodaikanal Vellagavi Nick Indien by Birgit Strauch Bewusstseinscoaching & Theta HealingEine besonders wärmende Begegnung war die mit Nick, einem bestimmt dreißig Jahre älterem Engländer in Kodaikanal. Das war zu einer Zeit, wo ich nur mit Handgepäck (mein großer Rucksack wartete in Ammas Ashram auf mich) unterwegs war. Eine kleine Umhängetasche mit Buch, Zahnbürste und Wasserflasche. Sogar meinen heiß geliebten Schlafsack hatte ich dummerweise zurückgelassen. Tja, so ist das, wenn man noch nie in den Bergen war, ich hatte total vergessen, dass es dort viel kühler sein konnte, als am Meer, wo es sogar nachts unerträglich heiß war. (Ich komme aus Berlin und bin am Niederrhein aufgewachsen, da gibt es keine Berge.)

Während sich der Nachtbus über Serpentinen immer höher in die Berge schraubte, da reichte mein dünnes Tuch für die Schultern nicht mehr aus, um mich warm zu halten. Als endlich der Bus in Kodaikanal hielt, war ich völlig verfroren und machte ich mich um fünf Uhr früh, in den noch schlafenden Strassen, auf die Suche nach einem Hotelzimmer und war einfach nur froh, dass in einem der kleinen Gästehäuser schon jemand auf war. Ich nahm sofort das angebotene Zimmer, nur was für eine Enttäuschung, das Bett und auch die Decke war völlig klamm, durch die Wolken und den kühlen Nebel in den Kodaikanal sich immer wieder hüllte. Eine heiße Dusche gab es natürlich auch nicht und so hieß es weiterfrieren und versuchen, ein wenig Schlaf zu finden. Nach dieser kalten und schlaflosen Nacht im Bus und dem feuchten Bett, erwartete ich sehnsuchtsvoll die ersten Sonnenstrahlen und sobald sie auf den Hof schienen, war ich draußen. Alles war besser als mein klammes Bett. Dort traf ich auf Nick, einem älteren, aber super netten Engländer. Ihm war es ähnlich fröstelig ergangen in diesem Hotel und wir beschlossen, uns zusammen ein anderes Zimmer zu suchen. Das fanden wir nach einiger Zeit des Suchens auch, mit herrlichem Ausblick über das Tal und einer kleinen Terrasse. So begann eine Freundschaft, die auch nach der Rückkehr noch lange eine Brieffreundschaft war. Nick und ich unternahmen in den nächsten Tagen viele Wanderungen in die umliegende Bergregion. Und nachts, wenn es kalt wurde, schliefen wir gemeinsam unter seinem Schlafsack, den er einfach über mich legte. Für mich ein väterlicher Akt und auch er lies keine andere Intention durchblitzen.

 

Varanasi und Uri, mein australischer Mitbewohner mit den israelischen Wurzeln

Dann gab es Uri, einen Australier mit israelischen Wurzeln, mit dem ich mir etwa eine Woche in Varanasi ein Bett teilte. Das war nicht ganz so leicht, denn ich mochte Uri, war nur auf dieser Reise nicht bereit mein Herz zu öffnen. Ich wollte doch Indien erleben und mich nicht in eine Liebesgeschichte einwickeln lassen. Bei Nick und Jan war das ganz leicht gewesen, die mochte ich auf eine herzliche, freundschaftliche Art. Uri war attraktiv, aber genau darum schaffte ich es nicht mein Herz zu öffnen. Komisch, oder?

Ich war etwa drei Wochen in dieser unglaublichen Stadt. Unser Hostel hatte einen gemütlichen Innenhof, von dem aus die Zimmer abgingen, einen Hund (wo es Hunde gibt, da fühle ich mich wohl) und es führte ein Weg auf eine Terrasse, von der aus man über den magischen Ganges blicken konnte. Wo wir mit mehreren Leuten aus der Shiva Ganga Lodge, den ein oder anderen Abend verbrachten. Das war sicher auch ein Grund, warum ich etwa drei Wochen hier hängen blieb, die Gemeinschaft in diesem Hostel. Es ging zwar jeder seine eigenen Wege, aber abends, wenn man zusammen kam, erinnerte es mich an mein WG Leben in Berlin.

In den letzten Jahren, habe ich immer nur kurze (3-4 Wochen) Reisen unternehmen können, da bleibt nicht viel Zeit, irgendwo hängen zu bleiben. Das finde ich sehr schade und darum habe ich einen Plan gefasst, wenn meine Kinder aus dem Haus sind, dann geht es für mich wieder los. Bis dahin sehe ich meinen Alltag und die ganzen kürzeren Reisen, als eine lange Reise. Ist Euch mal aufgefallen, wenn ihr Eure Heimatstadt aus dem Blickwinkel eines Besuchers betrachtet, was ihr plötzlich alles zu entdecken beginnt? Dazu wird es einen eigenen Artikel geben, denn diese Blickwinkelveränderung war für mich unglaublich heilsam.

Varanasi ist ein energetisch brutzelnder Ort. Diese ganzen Pilger und heiligen Rituale haben Varanasi mächtig aufgeladen. Die BurningGhats, die ein klein wenig nach Barbecue riechen, eine Hundebande, die ich beobachtete, wie sie, ich dachte erst einen Ball, dann sah ich aber, als er die Treppen des Ghats herunter kullerte und aufsprang, einen alten Schädel aus dem Wasser gezogen hatten. Einige Tote werden wohl nur versenkt, aber nicht verbrannt. Hier lag das Leben und der Tod nahe beieinander. Auch Krankheit lag in der Luft, den Straßenhunden ging es hier so schlecht, wie kaum an einem anderen Ort und ich hörte von vielen Reisenden, dass es sie mit heftigen Magen-Darm-Geschichten erwischt hatte. Hier blieb ich  glücklicherweise verschont davon. Von einem Bad im Ganges wurde auch schon damals abgeraten. Dennoch, die Zeit in Varanasi mit all den Leuten in unserem kleinen Hostel, die verwinkelten Gassen, die Kinder, die einen bald schon kannten und grüßten, es war herrlich. Ich mochte Uri und unsere kleine Zimmergemeinschaft war harmonisch, jeder auf seiner Seite des Bettes. Ich glaube, ich hatte mich ein klein wenig verliebt und besuchte ihn darum nach der Indien-Reise in Paris, aber was für eine Enttäuschung, da hatte er schon eine Freundin. Und so verblasste auch diese Begegnung in den Wirrungen der vielen unterschiedlichen Lebenswege und der Kontakt brach ab.

Heute muss ich mir kein Zimmer mehr teilen und auch kein Bett mit fremden Männern, aber ich denke gerne an all diese Begegnungen zurück, die einfach nur passieren, wenn man alleine unterwegs ist und vor allem auch Zeit hat.

In Indien traf ich natürlich nicht nur auf Ausländer, sondern natürlich auch zwei indische Männer. Ein ganz besonderes Erlebnis verband mich mit Santanu, unsere Wege kreuzten sich in Mandu. Und dann auch mit meinem Freund Pranesh, der mir eine ganz besondere Frage stellte.

 

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Juni 3rd, 2017

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