Borneo / Sarawak, Backpacking mit Kind (17/21) – Kapit: Auf eigene Faust besuchen wir ein Langhaus der Kopfjäger.

Kapit Iban Kopfjäger Borneo by Birgit Strauch Shiatsu ThetaHealing

Mir widerstrebte es, eine geführte und gebuchte Tour zu den Kopfjägern zu machen. Ich beschloss, dass wir es auf eigene Faust versuchen würden. Im Reiseführer hatte ich von einem Langhaus der Iban gelesen, welches in der Nähe von Kapit lag. Von Sibu aus ging es in aller Frühe mit einem der fliegenden Särge, Flying Coffins, stundenlang den Schlamm braunen Rajang River nach Kapit. Die Klimanalage verwandelte den fliegenden Sarg in einen Kühlschrank, aber das kennt man aus vielen Asiatischen Bussen und so hatte ich vorsorglich eine Decke dabei (aus dem Flugzeug stibitzt). Manchmal war die Tür halb offen und man konnte sich auf die Stufen setzen und den vorbeiziehenden Dschungel und Langhäuser anschauen.

Wir hatten unsere Tagesrucksäcke so gepackt, so dass wir notfalls eine Nacht in Kapit oder auch im Langhaus der Iban bleiben konnten. Aber schon die Ankunft in Kapit war seltsam. Wir liebten Sibu, die Stadt war freundlich und bunt. Kapit wirkte verschlossen, fast abweisend auf mich. Ich sah auch keine anderen Touristen. Es war nicht so sauber und positiv, wie Sibu. Dennoch begegneten wir netten Menschen. Lasse hatte seinen Rucksack im Restaurant vergessen und den haben sie uns hinterher getragen, voll nett.

In Kapit war es nicht leicht, Informationen zu sammeln, wie wir zu dem Langhaus kommen könnten. Das im Reiseführer beschriebene  Langhaus schien es nicht mehr zu geben. Aber etwa eine Stunde mit dem Auto von hier, gäbe es noch ein anderes Langhaus der Iban. Auf dem Markt war es heiß und hier sprach kaum jemand englisch. Am Ende schafften wir es natürlich und hatten einen Fahrer mit einem kleinen weißen Bus zu einem vernünftigen Preis gefunden, der uns zu dem Langhaus fahren würde.

Ich hatte ein seltsames Gefühl beim Betreten des Langhauses. Würden wir die Menschen stören? Haben sie überhaupt Lust auf unseren Besuch? Ich empfand das Langhaus als sehr ärmlich und obwohl ich natürlich gehofft hatte, Totenschädel zu sehen, die sie ihren Feinden vor nicht allzu vielen Jahren noch abgeschlagen hatten, war das Gefühl düster. Und bei der Vorstellung unter diesen Schädeln leben zu müssen, drehte sich mir ein wenig der Magen um. Mein Fazit: es kann energetisch nicht gesund sein, mit den den Feinden abgeschlagenen Köpfen, zusammen zu wohnen. Das macht etwas mit den Menschen, die hier leben. So wie es im positiven Sinn etwas mit uns macht, wenn wir uns einen Blumenstrauß auf den Tisch stellen.

Natürlich blieben wir nicht lange unbemerkt und wurden eingeladen, dem Chief ein  wenig Geld zu bezahlen. Sozusagen als eine Spende für den Aufenthalt hier. Kurz darauf  erschien sein Schwiegersohn, der sich ein wenig Zeit nahm und uns herum führte. Der war dann recht aufgeschlossen, in westlicher Jeans und mit Shirt bekleidet führte er uns durch Küche und Wohnräume. Die vielen Kinder um uns herum, sorgten für ein lustige Atmosphäre und mein Sohn Lasse wiederum, wurde mit Handys von ihnen fotografiert. Plötzlich kam auch Leben auf die Veranda, eine Frau begann zu weben und ein paar andere Frauen versuchten mir völlig überteuerte Perlenketten zu verkaufen. – Mir war schon durch das Willkommensschild am Eingang klar gewesen, dass hier normalerweise Touristengruppen vorbeikommen.

Ich sah die große Armut um mich herum und bekam den Eindruck, dass wirklich nur die Ärmsten noch in einem Holzlanghaus unter den Totenschädeln leben würden. Wer ein wenig Geld hatte, der zog in ein modernes Langhaus aus Stein oder direkt in ein eigenes Haus. Natürlich kauften wir ein paar Kleinigkeiten, schließlich durften wir alles fotografieren und wurden auch eingeladen, über Nacht zu bleiben. Eigentlich mag ich solche Übernachtungen, denn erst diese gemeinsam verbrachte Zeit, führt zu einem wirklichen Eindruck, aber es war einfach zu heiß und zu stickig. Man kann sich das kaum vorstellen, wie die Sonne herunter brezelte, die Luft aber trotzdem schwer von Feuchtigkeit war.

Wir hatten keine Schuhe an, denn die sollten wir für die Besichtigung des Hauses ausziehen, aber barfuß konnte man auf den Holzplanken der Veranda draußen kaum gehen. In den Räumen stand die heiße Luft und man wünschte sich einfach nur eine Abkühlung. Aber es war nicht nur die Hitze, die ein leisen Unwohlsein in mir aufkommen lies. Es war eine Mischung aus: wir wollen niemanden stören, aber natürlich etwas über die Geschichte und Lebensweise erfahren und gleichzeitig als „dumme Touris“ nicht zu viel bezahlen. Die Ketten, die die Frauen uns verkaufen wollten kosteten das vierfache, wie auf dem Markt. Auch nicht weiter schlimm, wenn wir Zeit mit den Frauen verbracht hätten und vielleicht auch gesehen hätten, wie sie eine Kette herstellten. – Und dann war es verflixt noch mal: unglaublich heiß und schwül. Das zieht einem das Hirn zam.

Einstimmig beschlossen Lasse und ich, das letzte Boot zurück nach Sibu um 15.15 noch zu erwischen und machten uns auf den Rückweg. Wir fühlten uns beide nicht wohl bei der Vorstellung hier eine Nacht zu verbringen. In Kapit schafften wir es sogar noch, ein Reisgericht für meinen Sohn und ein kühles Bier für mich zu kaufen, bevor das Boot abfuhr. Ich war so stolz auf meinen Sohn, wie er das alles bei dieser Hitze mitmachte. Dazu braucht es den Abenteurer im Blut, aber das hatte Lasse von mir geerbt.

 

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Buchempfehlungen für Borneo:

Die Frau des Schamanen: Wie eine Reise nach Borneo mein Leben veränderte: Dieses Buch gibt es nur noch gebraucht. Dennoch möchte ich es hier empfehlen, denn es war eine fesselnde Lektüre über Borneo.

Stefan Loose Reiseführer Malaysia, Brunei und Singapore: mit Reiseatlas:Mit diesem Reiseführer waren wir unterwegs und er hat uns gute Dienste erwiesen.

Meine wilden Kinder: Ein Leben für die letzten Orang-Utans: Für all die Orang-Utans Freunde unter Euch ein absolutes Muss, mit so viel Liebe geschrieben!

Reise Know-How Landkarte Borneo (1:1.200.000): Kalimantan, Sabah & Sarawak, Brunei: Auch auf dieser Reise waren wir in Gegenden ohne Internet, ein Glück, dass wir die Karte dabei hatten, so wird Vieles leichter und die Weiterreise übersichtlicher.

 

So ging unser Abenteuer Borneo weiter:

Borneo / Sarawak mit Kind (1/21) – Kuching: Graffiti auf Borneo und eine unvergessliche Sonnenuntergangs-Bootstour.

Borneo / Sarawak mit Kind (2/21) – Kuching: Frei lebende Orang-Utans im Semenggoh Wildlife Rehabilitation Center.

Borneo / Sarawak mit Kind (3/21) – Kuching: Jong`s Crocodile Farm – Hähnchen fressende Dinosaurier!

Borneo / Sarawak mit Kind (4/21) – Mulu Nationalpark: Baden ohne Krokodile, Bestellung beim Universum klappt.

Borneo / Sarawak mit Kind (5/21) – Mulu Nationalpark: Fledermäuse, Höhlen und Penan hinter Maschendrahtzaun.

Borneo / Sarawak mit Kind (6/21) – Miri – Tree Tops Lodge: In tropischem Garten, mit Pool, Hunden und Katzen, gutes Essen und ein Pläuschchen mit Mike! Perfekt!!!

Borneo / Sarawak mit Kind (7/21) – Miri: Seltsame Malereien am Tua Pek Kong Tempel, Hammerhaie auf dem Markt & jede Menge Sandfliegen am Meer.

Borneo / Sarawak mit Kind (8/21) – Bario: Wir fliegen mit einer Twin Otter in die Kelabit Highlands, jede Menge Reisfelder & das Langhaus Asal.

Borneo / Sarawak mit Kind (9/21) – Pa Umor: Die Gem`s Lodge & fleischfressende Pflanzen.

Borneo / Sarawak mit Kind (10/21) – Pa Lungan: Nach einer abenteuerlichen Bootsfahrt erreichen wir das Ende der Welt, das friedliche Dorf Pa Lungan.

Borneo / Sarawak mit Kind (11/21) – Pa Lungan: Batu Ritung Lodge, ein Spaziergang mit Nabun zu den Megalithen & Sepak Takraw.

Borneo / Sarawak mit Kind (12/21) – Pa Lungan: Kräuterwanderung im Dschungelsupermarkt – wir ernten Flussfarn, eine riesige Bambussprosse und angeln leckere Fische.

Borneo / Sarawak mit Kind (13/21) – Pa Lungan: Traumhafte Natur, Reisfelder, so viele Tiere & eine schweißtreibende blutegelreiche Hügelbesteigung.

Borneo / Sarwak mit Kind (14/21) – Sibu: Die Pagode des Tua Pek Kong Tempels, ein neues Tattoo und wir futtern uns durch den Nachtmarkt.

Borneo / Sarawak mit Kind (15/21) – Sibu: Ein Markt mit In Zeitung eingewickelte Hühner & Maden der Sagopalme.

Borneo / Sarawak mit Kind (16/21) – Rajang River – Sibu – Kapit: Fliegende Särge, brauner Schlamm & jede Menge Langhäuser.

Borneo / Sarawak mit Kind (18/21) – Santubong Nationalpark: Das dunstig düstere Permai Rainforest Resort & unser Baumhaus.

Borneo / Sarawak mit Knd (19/21) – Bako Nationalpark: Yeah!!! Wir haben Nasenaffen in freier Wildbahn gesehen!

Borneo / Sarawak mit Kind (20/21) Santubong Nationalpark: Irravady Delfine, Mangroven und die Schildkröteninsel.

Borneo / Sarawak mit Kind (21/21): Hunde Hunde Hunde!

 

 


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